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Kommentar: Clowns und Grenzen

  • vonSteffen Kahl
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Clowns haben zwei Gesichter. Schon in ihrer harmlosen Variante. Mit ihren geschminkten Gesichtern, wilden Perücken und übertriebener Gestik und Mimik, mit jeder Menge Klamauk können sie erheitern und und die Gesichter, beispielsweise von kleinen und großen Zirkus-Besuchern, zum Strahlen bringen.

Steffen Kahl

Nicht jedem Kind sind die Clowns aber ganz geheuer. Eine Erklärung: Die Maskerade, die nicht erkennen lässt, wer eigentlich dieser Clown ist. Verbunden mit der Frage, welche Grenzen jemand noch überschreitet, dem es egal ist, wie beispielsweise seine Jonglierbälle durch die Gegend fliegen. Mit dieser Ungewissheit spielen die mehr oder weniger bekannten bösen und brutalen Clowns aus Filmen wie Batman (der „Joker“, Es („Pennywise“) und jüngst in The Purge: Election Year, der derzeit läuft, und in dem in der Halloween-Nacht alles – auch Straftaten bis hin zu Mord – erlaubt sind. Eine Möglichkeit, die zahlreiche maskierte Menschen in dem Horror-Film zu entsprechenden Grenzüberschreitungen nutzen.

Vielleicht ist es dieser Film, der in seinem jetzigen, dritten Teil erneut beachtliche Einspielergebnisse erzielt, der eine besondere Breitenwirkung sorgt. Mit dem negativen Effekt, dass nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland und zumindest auch in Uelzens Umgebung zahlreiche Menschen günstig zu erwerbende Horror-Clown-Masken nutzen, um andere zu erschrecken – und mehr.

Aus Salzwedel und Lüneburg berichtete die AZ zuletzt von Vorfällen, die nur zum Teil lustige Komponenten hatten. Wie im Falle des Horror-Clowns, der nach dem Zusammenstoß mit einer Fahrradfahrerin von dannen humpelte.

Fakt ist: Die Masken werden genutzt, um bewusst Grenzen zu überschreiten. Grenzen des guten Geschmacks, Grenzen des Anstands, aber auch moralische und vor allem strafrechtliche Grenzen.

Aber auch da – egal ob online oder auf dem Schulhof – wo Grusel-Clowns erfunden werden, sind Grenzen überschritten. Weil die Ängste auch so entstehen – jemand, der überfallen wird, denkt sich auch nicht als erstes, dass die Pistole an seiner Schläfe eine Attrappe sein könnte. Denen, die auf die ein oder andere Art Grenzen überschreiten, müssen eben diese Grenzen aufgezeigt werden. Sei es durch Zivilcourage, die Polizei, ermahnende Gespräche oder das gute alte Märchen „Peter und der Wolf“.

Ansonsten bleibt zu hoffen, dass sich das Phänomen „Horror-Clowns“ demnächst erledigt. Zu wünschen wäre es den „guten“ Clowns. Und den Kindern, die Angst haben. Auch in Uelzen. Ganz doll. Und ganz echt.

Von Steffen Kahl

Rubriklistenbild: © dpa

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