Zahl von 1,5 Millionen Hilfesuchenden kursiert / Sorge vor Betreuungskollaps

Kommen mehr Flüchtlinge?

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Uelzen ist einer von vier Verteilerpunkten im Land.

nre/dpa Berlin/Uelzen. Die Zahl hat eine Debatte entfacht: Laut Medienberichten könnten statt der bisher angenommenen 800 000 Flüchtlinge bis zum Jahresende 1,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder Deutschland erreichen.

Das Bundesinnenministerium erklärte gestern, dass man diese Zahl nicht bestätigen könne. Es werde in Kürze auch keine neue Prognose über die Zahl der erwarteten Flüchtlinge geben, sagte ein Sprecher. Er bestätigte aber, dass im September die Zahl der Ankünfte besonders hoch gewesen sei.

Von den Bundesländern ist bereits seit Längerem die Forderung zu hören, dass die Zahlen der Flüchtlinge nach oben korrigiert werden müssten, weil die Annahmen des Bundes nicht zutreffend seien. Die Länder gehen von einer Million Flüchtlinge bis Jahresende aus und schlugen gestern angesichts der Medienberichte Alarm. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, warnte in der „Passauer Neuen Presse“: „Wenn der Zustrom weiter so anhält wie jetzt, werden die Kommunen in Deutschland mit Versorgung, Unterbringung und Integration der Flüchtlinge überfordert sein.“ Landsberg forderte große Erstaufnahme-Einrichtungen an der Grenze zwischen Bayern und Österreich, in denen die Menschen ein Asyl-Verfahren ähnlich wie an Flughäfen durchlaufen sollen.

Noch aber rollen Sonderzüge mit unregistrierten Flüchtlingen in Richtung Norden. Wie berichtet, erreichten bislang sechs von ihnen Uelzen, von wo aus Flüchtlinge entweder mit Bussen auf Erstaufnahmezentren verteilt wurden oder weiterreisten. Wie das Innenministerium auf AZ-Anfrage erklärt, ist Uelzen eine von vier Städten in Niedersachsen, die als Verteilerpunkte angefahren werden. Neben der Uhlenköperstadt steuern Züge auch Celle, Lehrte und Elze bei Hannover an.

Um Flüchtlinge am Hundertwasser-Bahnhof ausreichend betreuen zu können, sind nun auch Soldaten im Einsatz. Sie übernehmen den Ordnerdienst der Feuerwehren. Das Innenministerium habe das Angebot unterbreitet, sagt Kreissprecher Martin Theine. Mit ihm könnten die Wehren entlastet werden. Ungeachtet dieser Neuerung stellen die Zugankünfte die Helfer weiter auf eine harte Probe.

Von Norman Reuter

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