Deutsch lernen als Schlüssel: „Ohne Sprachkenntnisse geht es nicht“

Wie können Migranten schnell integriert werden?

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Migranten und Deutsche tauschen sich darüber aus, wie Neubürger aus anderen Ländern schnellstmöglich integriert werden können.

Uelzen/Landkreis – Ein paar Migranten mussten noch arbeiten und kamen deshalb später. „Dass sie jetzt hier sind, zeigt, dass ihnen die Sache wichtig ist“, freut sich der Pressesprecher des Landkreises, Martin Theine.

Es geht um nicht weniger als ein Konzept, wie Flüchtlinge und Migranten im Landkreis Uelzen möglichst schnell integriert werden können.

Zentrales Thema ist dabei das Erlernen der Deutschen Sprache. Wie das den neuen Bürgern erleichtert werden kann, darüber tauschten sich jetzt in der Apollonia Oberschule Bürger und Akteure verschiedener Organisationen aus.

„Das Thema ist unser täglich Brot“, berichtet die Leiterin der Lucas-Backmeister-Schule Indra Salooja. Die meisten der 155 Kinder an der Grundschule haben einen Migrationshintergrund – 17 verschiedene Sprachen treffen auf kleinem Raum aufeinander. Bei vielen wird zuhause kein deutsch gesprochen. Umso wichtiger sei es, dass sie es in der Schule lernen: „Ohne Sprachkenntnisse geht es gar nicht.“ Das sei die Grundlage dafür, dass die Kinder lesen und schreiben lernen und dem Unterricht folgen können.

Doch gerade am Lesen hapert es oft. So berichtet ein Teilnehmer, der Migranten verschiedenen Alters Nachhilfe gibt, dass sie in ihren jeweiligen Kulturen oft bisher keinerlei Berührungspunkte mit Büchern hatten: „Sie hatten in ihren Heimatländern andere Probleme.“ Rainer Neubauer, der seit 2015 ehrenamtlich Flüchtlinge unterstützt, berichtet, dass viele von ihnen Berührungsängste mit Büchereien hätten.

Ein Angebot ist das „Willkommensregal“ in der Uelzener Stadtbücherei, doch um das zu nutzen, müssen die Migranten erst einmal den Weg dorthin finden. Die neue Leiterin Linda Schützhold wünscht sich, dass sich noch mehr Grundschulen im Kreis melden, um eine Führung durch die Bücherei für die Kinder zu vereinbaren, bei der sie sich auch gleich einen Ausweis ausstellen lassen können.

Eine ganz andere Herausforderung stellen dagegen erwachsene Flüchtlinge dar. Je länger der Asylstatus bestehe, desto mehr schwinde die Motivation, deutsch zu lernen. „Viele sagen: Wenn ich morgen abgeschoben werde, warum soll ich heute zur Schule gehen?“ Ehrenamtliche Helfer motivieren, sind aber oft überfordert, wenn sie ganze Familien betreuen: „Man fühlt sich dann schnell ausgelaugt. Es müsste noch mehr Menschen geben, die helfen.“

VON SANDRA HACKENBERG

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