JVA Uelzen setzt auf Familienbeziehungen, um Insassen vor kriminellen Rückfällen zu schützen

Im Knast – und trotzdem Papa

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Ein Vater überreicht seinem Sohn in der JVA Uelzen ein Weihnachtsgeschenk. Die Beziehung zu den eigenen Kindern zu leben, ist hier Teil des Konzeptes zu einer erfolgreichen Resozialisierung der Insassen.

Uelzen. Was kommt nach dem Gefängnis? Das Leben „draußen“. Und darauf werden langjährige Insassen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Uelzen vorbereitet. Das übergeordnete Ziel ist die Resozialisierung.

Das heißt, Straftäter, die ihre Strafe abgesessen haben, sollen ein normales Leben leben können – ohne weitere Straftaten.

Für Sabine Hamann, Leiterin der JVA Uelzen, gibt es zwei wichtige Faktoren, die vor kriminellen Rückfällen schützen: „Eine günstige Jobperspektive und intakte Beziehungen zu Partnerinnen und Kindern.“ Aus diesem Grund geht man in der JVA seit gut zwei Jahren neue Wege: Väter sollen die Möglichkeit haben, den Kontakt zu ihren Kindern zu halten.

Sabine Hamann

Hamann erklärt: „Die Insassen sollen verstehen, dass die Folgen ihrer Straftaten mehr sind als die Haft.“ Unter den Taten litten zunächst einmal die Opfer, gleich danach kämen aber die eigenen Familien. Deswegen habe man das vor zwei Jahren als Schwerpunkt in die Sozialarbeit im Gefängnis einbezogen. „Die Insassen sollen Verantwortung übernehmen“, ist Hamanns Überzeugung. Verantwortung auch für die eigenen Kinder.

Zwölf der rund 200 Insassen nehmen derzeit deswegen an vierteljährlichen Vater-Kind-Nachmittagen teil. Vierstündige Termine mit einer erheblichen Vor- und Nachbereitungszeit, bei denen sich die Väter im Vorfeld mit der Gestaltung des Programms und dem Ausschmücken der Gefängnisturnhalle einbringen – und die sie auch mit einem Tagesverdienst mitfinanzieren. Des Weiteren kümmern sie sich in dieser Zeit um ihre Kinder, spielen mit ihnen, haben sie auf dem Arm, streicheln sie, toben – und erkennen die Arbeit der Mütter an: „Ich weiß jetzt, was meine Frau leistet“, zitiert Sozialarbeiterin Waltraud Schiller einen der Väter.

Waltraud Schiller

Von der positiven Wirkung der Vater-Kind-Nachmittage sind Hamann und Schiller überzeugt. Die Väter berichteten davon, dass sie viel besser verstehen würden, was zu Hause los sei, und auch die Kinder hätten so die Möglichkeit, eine realistische Vorstellung von ihrem Vater zu bekommen, ihn nicht zu idealisieren und sich nicht zu entfremden.

Höhepunkt der Vater-Kind-Nachmittage ist die Adventsfeier. Diese fand in diesem Jahr am dritten Advent statt. Zum zweiten Mal konnten die Insassen ihren Kindern im Weihnachtspäckchen eine CD mit einem vorgelesenen Märchen überreichen, zum ersten Mal waren auch selbstgebackene Kekse dabei.

Die vielen positiven Effekte des Vater-Kind-Angebots für alle Beteiligten sind für Sabine Hamann und Waltraud Schiller offensichtlich. Für sie ist klar: „Es hilft den Insassen zu wissen, was sie aufs Spiel setzen.“ Ein wichtiger Baustein auf dem Weg zurück in ein Leben mit Familie und ohne Straftaten.

Von Steffen Kahl

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