Knappes Urteil im Streitaxt-Prozess: Bewährungsstrafe für 49-jährigen Uelzener

„Auf Messers Schneide“

+
(Symbolfoto) Im Streitaxt-Prozess gibt es eine Bewährungsstrafe für einen 49-jährigen Uelzener.

Uelzen/Lüneburg. Eine Tötungsabsicht vermochten weder Staatsanwalt noch das Schwurgericht am Landgericht Lüneburg zu erkennen. Dennoch: Der 49-jährige Uelzener, der am 3.

August 2013 seine Ex-Freundin in der Kleingartenkolonie an der Hauenriede mit einer Streitaxt attackiert hatte, wurde wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Der Mann hatte damals 1,9 Promille im Blut. Das Gericht verhängte eine Haftstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss der 49-Jährige seiner Ex-Freundin 1500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor auf eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt plädiert. Von echter Reue sei bei dem Angeklagten nicht viel zu erkennen gewesen, er habe sich nur wenig kooperativ gezeigt und sei besonders rücksichtslos bei der Tat vorgegangen.

Der Anwalt des Opfers hatte derweil verlangt, dass eine Kontaktsperre verhängt werden müsse, sollte der 49-Jährige eine Bewährungsstrafe erhalten – die Ex-Freundin habe immer noch Angst vor dem Angeklagten. Sie hatte bei der Attacke verhältnismäßig glimpfliche Verletzungen davongetragen.

Weder verhängte das Gericht eine Haftstrafe, noch hielt es die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für sinnvoll – dafür, so hatte auch der psychiatrische Gutachter an einem anderen Verhandlungstag gesagt, trinke der 49-Jährige zu wenig, habe aber einen Hang zum Alkohol. Allerdings gab der Vorsitzende Richter dem Angeklagten deutliche Worte mit auf den Weg: „Was uns letztlich zu der Bewährungsstrafe bewogen hat, war, dass der Monat Untersuchungshaft ein deftiger Schuss vor den Bug und ein heilsamer Schock für Sie war.“ Allerdings: Mit der fehlenden Reue und einem fehlenden Geständnis habe sich der Uelzener bei der Urteilsfindung „auf dünnem Eis“ befunden.

Strafverteidigerin Wiebke Schröder gab allerdings zu bedenken, dass ihr Mandant vor Gericht nervös und verunsichert gewesen sei. Außerdem habe er wegen der verhängten Kontaktsperre zu seiner Ex keine Möglichkeit für eine Entschuldigung gehabt. Die Frau hatte dies auch abgelehnt.

Die Entscheidung des Schwurgerichts, so der Vorsitzende Richter, sei am Ende ein „Urteil auf Messers Schneide“ gewesen. „Wenn es ein bisschen schlechter für Sie gelaufen wäre, hätten Sie auch mit vier bis fünf Jahren nach Hause gehen können.“ Die Bewährungszeit von drei Jahren solle der Uelzener dringend ernst nehmen, warnte der Richter. „Passiert da nur noch eine Winzigkeit, dann kracht’s. Dann rücken Sie ein, und zwar sehr lange.“

Von Ines Bräutigam

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare