Mit einer Zeitungszustellerin auf Tour durch Uelzen

Bei klirrender Kälte durch die Nacht

Auch bei Wind und Wetter unterwegs: Ann-Katrin Paschukat befördert die Allgemeine Zeitung in die Briefkästen der Leser zweier Zustellbezirke – und das zu nachtschlafender Zeit. Foto: Tenbrink

Uelzen. Dicke Schneeflocken rieseln vom pechschwarzen Himmel und tanzen im Scheinwerferlicht, als Ann-Katrin Paschukat ihren Wagen Richtung Ripdorf steuert. Es ist kurz nach fünf Uhr morgens. Paschukat trägt Zeitungen aus, die Hälfte ihrer Tour hat sie bereits hinter sich.

„Das ist echt nicht mein Wetter“, stellt die junge Frau fest, als sie ihre Fußstapfen auf den weiß überzuckerten Gehwegplatten hinterlässt. Ein kurzer Knick, das leise Quietschen eines in die Jahre gekommenen Briefkasten-Deckels und schon ist die 91. Zeitung zugestellt.

Paschukat ist eine von mehr als 250 Zustellern, die in den frühen Morgenstunden die Allgemeine Zeitung zu den Lesern bringen. Von montags bis samstags klingelt mitten in der Nacht ihr Wecker. Die Pakete mit dem Lesestoff holt sie direkt bei der AZ ab und fährt den ersten ihrer beiden Zustellbezirke an. Als die erste Zeitung im Kasten ist, schaut die 22-Jährige kurz auf die Uhr: halb vier. Wenn sie gut durchkommt, ist sie in etwas mehr als zwei Stunden fertig. Doch sie nimmt lieber in Kauf, etwas später daheim zu sein, als bei diesem Wetter ein Risiko einzugehen. Die Straßen sind teilweise sehr glatt – der Streudienst ist in diesen frühen Stunden noch nicht bis in alle Bereiche vorgedrungen.

Ebenfalls gefährlich sind nicht gestreute Wege zu den Briefkästen. Schon mehrmals ist Paschukat bei solchen Witterungsbedingungen gestürzt. Dann heißt es: Die klappernden Zähne zusammenbeißen und weiter verteilen. Doch einmal schlug sie so heftig auf, dass ihr Steißbein angebrochen war. „Ungeheuer schmerzhaft“, erinnert sie sich, „und an ein Weitermachen war nicht zu denken.“ Paschukats Mutter hat damals den Rest der Tour für sie übernommen. Da beide Elternteile selbst unterwegs sind, um Zeitungen auszutragen, war die Stellvertreterin schnell vor Ort. Ein Glücksfall für die Koordinatoren der Zustellung und all jene, die sonst etwas länger auf ihre Zeitung hätten warten müssen.

Die Stopps auf ihrer Route folgen in kurzen Abständen: Tür auf, ein paar Meter bis zu Gartenzaun oder Haustür, die Zeitung gefaltet in den Briefkasten beziehungsweise gerollt in das Zeitungsfach geschoben und wieder zurück. Bis zu 200 Mal pro Tour. Auf eine Liste mit Anschriften muss sie dabei nicht schauen, die Wege sind Routine, die Adressen bekannt. „Bei einem neuen Zustellbezirk dauert es etwa drei Tage, dann kenne ich meine Haltestellen“, erzählt Paschukat. Inzwischen klappert Paschukats Kombi bereits die letzten Stationen seiner heutigen Route ab, im Industriegebiet am Hafen. Im Gegensatz zu einigen Häusern in kleineren Ortschaften sind hier die Gelände von Licht geflutet. Das macht die Zustellung wesentlich angenehmer. Außerdem bekommt Paschukat hier etwas zu sehen, was auf anderen Routen eher eine Seltenheit ist: Menschen. In vielen der ansässigen Betriebe beginnen die Mitarbeiter gerade ihren Dienst.

„Ansonsten sind es meistens Jugendliche, die feiern waren“, berichtet die Zustellerin über andere nächtliche Begegnungen und muss lachen: „Einer saß dann mal plötzlich bei mir im Auto und wollte, dass ich ihn nach Hause fahre.“ Allerdings hätte der junge Mann nach Lüneburg gemusst und dieser Halt war in Paschukats Fahrplan nicht vorgesehen.

Von Karsten Tenbrink

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