Zwei Drittel der Krankenhäuser landesweit gefährdet / Geschäftsführer und Politik im Gespräch

Kliniken fordern faire Geldvergabe

Die Klinik-Leiter Kurt Spannig, Michael Moormann und Ulrich Fernim (von links) berichteten Kommunalpolitikern von Problemen im Gesundheitssystem.

Uelzen. Vertreter von sechs Kliniken aus den Landkreisen Uelzen und Lüneburg haben am Montag im Gespräch mit der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik eine sichere Krankenhausversorgung gefordert.

„Zwei Drittel aller Krankenhäuser in Niedersachsen sind in ihrer Existenz gefährdet“, erklärte Michael Moormann, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Lüneburg, bei dem Treffen in der Psychiatrischen Klinik in Uelzen. „Krankenhäuser kommen mit einer schwarzen Null nicht mehr auf ihre Kosten. Sie schaffen es nicht mal, ihre Ersatzinvestitionen zu tätigen. “.

Ulrich Fernim

Moormann sowie die Geschäftsführer der Uelzener Psychiatrie, des Klinikums Uelzen, der Seepark-Klinik Bad Bodenteich, des Herz-und Gefäßzentrums (HGZ) Bad Bevensen/Diana-Klinik, der Veerßer Klinik und der Bevenser Caduceus-Klinik würden sicherlich eine schwarze Null schreiben oder über einen Jahresüberschuss verfügen, sagte HGZ-Leiter Dirk Ludemann. Angesichts des Investitionsstaus wollen sie jedoch auf die „Unwuchten“ unter den Bundesländern aufmerksam machen.

Wenn Investitionen ausschließlich durch Landesmittel finanziert würden, könnten Medizingeräte lediglich alle 20 Jahre durch neue ersetzt werden, schilderte Franz Caesar, Geschäftsführer des Klinikums Uelzen. Somit könnte an den Krankenhäusern nicht vernünftig gearbeitet werden. „Es ist nicht so, dass die Notwendigkeit nicht erkannt wird“, weiß Caesar. Das Argument des Landes sei vielmehr, dass kein Geld vorhanden sei. Daher fordern die örtlichen Kliniken eine gerechte Verteilung der Mittel bundesweit.

Kommunalpolitikern hörten von Problemen im Gesundheitssystem.

Im Vergleich zu Hamburg oder Rheinland-Pfalz liege Niedersachsen weit zurück. „Wenn das Klinikum in Hamburg stünde, hätten wir 2,5 Millionen Euro mehr Gewinn. Wären wir Pfälzer, hätten wir 6,5 Millionen Euro mehr Gewinn“, sagte Moormann. Wenn ein Hamburger Krankenhaus sich dadurch eine modernere Ausstattung leisten könne, zögen auch Lüneburger Patienten es vor, diese Hamburger Klinik aufzusuchen. Versicherungsbeiträge für Krankenkassen seien bundesweit einheitlich geregelt, für die Behandlung erhielten Krankenhäuser jedoch unterschiedlich hohe Sätze. Sollte die Bundesregierung eine Prämienzahlung bei Qualitätsmanagement einführen, so fürchten Moormann und die anderen Klinikvertreter auf Nachfrage der SPD-Bundestagsabgeordneten Kirsten Lühmann, könnte sich der Wettbewerb unter den Kliniken verstärken, und jedes Haus würde versuchen, sich auf profitable Behandlungen auszurichten.

„Wie schafft man es, dass die Rosinenpickerei aufhört, wer macht denn dann noch die normale Versorgung der Bevölkerung?“, fragte Moormann. „Es ist ein Verteilungsproblem, aber es ist Ihre Aufgabe, das Verteilungsproblem zu lösen“, gaben die Klinikchefs dem Landtagsabgeordneten Heiner Scholing (Grüne) mit auf den Weg.

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