Erneuter Verkauf

Klinik-Wiederbelebung scheitert: Ebstorfer Mediziner kann seine Pläne nicht verwirklichen

In der Veerßer Klinik wird niemand mehr behandelt. Die Wiederbelebung ist gescheitert.
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In der Veerßer Klinik wird niemand mehr behandelt. Die Wiederbelebung ist gescheitert.

Uelzen-Veeßen – Das Gras ist akkurat geschnitten. Der Vorplatz wirkt gepflegt. Der Betrachter könnte den Eindruck gewinnen, die Veerßer Klinik wäre noch in Betrieb. Patienten werden hier aber seit der Schließung vor gut zweieinhalb Jahren nicht mehr behandelt.

Und jetzt ist zuletzt Norbert Schmedtmann, Zahnmediziner aus Ebstorf, mit Plänen gescheitert, die Klinik wiederzubeleben.

Mit Partnern an der Seite hat Schmedtmann, wie er berichtet, Millionen in das Haus stecken wollen, um daraus „ein Schmuckstück“ in der Kliniklandschaft zu machen. „Chirurgen sollten dort tätig werden“, sagt Norbert Schmedtmann.

Einst als repräsentatives Wohnhaus entstanden, war der Bau an der Celler Straße in Veerßen ab 1950 eine Klinik (Siehe zum Thema). Zuletzt nutzten ihn vier Belegärzte im Bereich der Orthopädie. Mit ihrem Weggang kam es zur Schließung Anfang 2018. Seitdem läuft auch ein Insolvenzverfahren, in dessen Zuge nach einer Lösung für die Klinik gesucht worden sei, wie Insolvenzverwalter Boris Freiherr von dem Bussche gegenüber der AZ erklärt.

Verband sieht „keine Perspektive“

Mit Norbert Schmedtmanns Engagement schien diese auch gefunden zu sein. Der Zahnmediziner erwarb für die Klinik-Wiedereröffnung sogar bereits das Haus und Grundstück. Mit Partnern und Politik an der Seite sei er zuversichtlich gewesen, was sein Vorhaben betraf, so Schmedtmann. Es kam letztlich anders.

Wie Insolvenzverwalter Boris Freiherr von dem Bussche gegenüber der AZ erklärt, hat sich der Verband der Ersatzkrankenkassen (VDEK) gegen das Vorhaben, die Klinik wieder zu beleben, gesträubt. Auf Nachfrage teilt die niedersächsische Landesvertretung des VDEK mit, dass es zur Zukunft der Veerßer Klinik ein Gespräch zwischen dem Insolvenzverwalter, dem Verband und der AOK gegeben habe. In diesem hätten die Vertreter der Krankenkassen deutlich gemacht, dass sie „keinen Bedarf und keine Perspektive für ein Kleinstkrankenhaus in Veerßen sehen, nur wenige Kilometer vom Klinikum Uelzen als großem Krankenhaus der Schwerpunktversorgung entfernt“, so VDEK-Sprecher Hanno Kummer.

Die vormaligen Leistungen der Veerßer Klinik könnten durch das benachbarte Klinikum Uelzen, zum Teil aber auch durch niedergelassene Ärzte erbracht werden. In der Bewertung habe es im Übrigen keine Unterschiede zwischen dem VDEK und der AOK gegeben, so Hanno Kummer weiter.

Die zwischenzeitlich vom Land aus dem niedersächsischen Krankenhausbettenplan gestrichenen 18 Betten der Veerßer Klinik wurden nicht wieder aufgenommen, was die Voraussetzung für die Umsetzung von Schmedtmanns Plänen gewesen wäre. Der Ebstorfer Mediziner zeigt Unverständnis: „Die Veerßer Klinik war über Jahre die beliebteste Klinik. Wir wollten sie auf hohem Niveau wieder führen.“

Was er für Klinikgebäude und Gelände ausgegeben hat, dazu will Norbert Schmedtmann gegenüber der AZ keine Angaben machen. Er erklärt aber, dass er sich in Gesprächen mit Hamburger Investoren befinde, um das Areal weiter zu veräußern. Die Verkaufsverhandlungen seien weit gediehen, schon in Kürze könnten die Verträge unterzeichnet werden.

Investoren mit neuen Plänen

Was die Pläne der Investoren betrifft, so sagt Schmedtmann, dass auf dem Areal Plätze für betreutes Wohnen entstehen sollen. Das Klinikgebäude würde dafür abgetragen.

„Ich finde es äußerst schade, dass die Wiederbelebung der Klinik nicht umgesetzt werden konnte“, sagt Ortsbürgermeister Ernst von Estorff zur Entwicklung. Er habe noch an das Sozialministerium in Hannover ein Empfehlungsschreiben geschickt, um Norbert Schmedtmann zu unterstützen.

Ohne Erfolg, wie sich zeigte. Auch wenn ihm die Kliniklösung besser gefallen hätte, seien Pläne für ein betreutes Wohnen gute Nachrichten für Veerßen, sagt von Estorff. „Vielleicht kriegen wir beim Projekt auch noch eine Apotheke oder einen Arzt für Veerßen hin. Das wäre schön“, so der Ortsbürgermeister. VON NORMAN REUTER

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