Meteorologe Hilger Erdmann hält eindringlichen Vortrag in der Stadtbücherei

Der Klimawandel ist da

Nimmt die Weltbevölkerung zu, werden, so der Weltklimarat, die Temperaturen deutlich steigen.
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Nimmt die Weltbevölkerung zu, werden, so der Weltklimarat, die Temperaturen deutlich steigen.

Uelzen – Es ist sein stärkster Satz. Und man kann nicht einmal sagen, dass das gebannt zuhörende Publikum darauf gewartet hat.

„Der Klimawandel ist sich beschleunigend feststellbar“, sagt Diplom-Meteorologe Hilger Erdmann – und hat eine Flut von Statistiken präsentiert.

„Der Klimawandel ist sich beschleunigend feststellbar“: Hilger Erdmann.

Fast 50 Zuhörer sind auf Einladung der Stadtbücherei und des Seniorenbeirats der Stadt gekommen, um den Meteorologen zu hören – in Zeiten, in denen der Klimawandel in aller Munde ist. Und Erdmann, der aus Jork im Alten Land nach Uelzen angereist ist, schlägt einen Bogen von den weltweiten Veränderungen hin zu regionalen Verwerfungen: „Die Apfelblüte, die eigentlich um den 1. Mai erwartet wird, beginnt früher“, sagt er. „Die Sommer werden trockener. Die Winter werden trüber, nass und feucht, weil es in der Höhe Warmluft gibt. Und die ist vom Menschen erzeugt.“

Der 75-jährige Erdmann, der mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ schon die Arktis erkundet und viele Jahre für den Deutschen Wetterdienst gearbeitet hat, spricht über das Abschmelzen des Eises und der Gletscher, die Abholzung der Wälder oder die Versiegelung des Bodens und die Verstädterung auf der Erde. Und so unterscheidet der Wissenschaftler zwischen dem natürlichen Treibhauseffekt mit seinen Gasen – und denen, die vom Menschen zusätzlich eingebracht werden und die unter anderem die Ozonschicht schädigen.

Besonderen Wert legt Erdmann dabei auf zweierlei: Die Erde, die am Ende einer „Warmzeit“ stehe, drehe sich in einer Exzenter-Bewegung um die Sonne – und verändere ihre Entfernung zu dem Gestirn. Das sei, astronomisch betrachtet, ein Grund für Klimaschwankungen. Hinzu komme, „vom Menschen aufgepfropft“, der weltweite Ressourcenverbrauch. Und hier nannte Erdmann vor allem mit Blick auf die Weltbevölkerung Zahlen, „über die die Politiker ungern sprechen“: Bereits, wenn es keinen Zuwachs der Weltbevölkerung mehr gebe, zeigten die Szenarien des Weltklimarates, dass die Temperaturen um 2 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts anstiegen. Heute lebten 7,123 Milliarden Menschen auf der Erde. Würden es deutlich mehr, nämlich bis zu 12 Milliarden, stiegen die Temperaturen – „wenn wir so weitermachen wie bisher“ – um bis zu 8 Grad an.

In unseren Breiten zeigt sich der Wandel bereits im Sommer, obwohl Erdmann festhielt, dass politische Maßnahmen gegen den Kohlendioxidausstoß „in Deutschland hin und wieder schon leichte Erfolge zeigen“. Rekordtemperaturen wie sie jüngst gemessen wurden, seien zwar noch kein Gradmesser für einen Klimawandel. Aber „sehr beachtlich“ sei zum Beispiel, dass bereits das Jahr 2016 1,4 Grad zu warm war. Die veränderten Winde und Wolken sorgten überdies dafür, dass es lokal heftige Regenfälle gebe, während es ein paar Kilometer weiter trocken bleibe.

In Zeiten, in denen der Begriff „Klimawandel“ in aller Munde ist, sind etwa 50 Zuhörer zum Vortrag in die Bücherei gekommen.

Für Christiane Kriegel und Hans-Jürgen Hildebrand aus dem Publikum war es ein Anliegen, in der Stadtbücherei dabei zu sein. „Vor 15 Jahren habe ich schon mal einen Vortrag verfolgt, da wollte das noch kein Mensch hören, was sich jetzt bestätigt“, sagt Hildebrand. Und Christiane Kriegel findet, dass „noch viel zu wenig darüber geredet wird“.

VON CHRISTIAN HOLZGREVE

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