Polizei Uelzen stellt Straftatenstatistik 2016 vor: Sinkende Hemmschwellen

Das Klima wird rauer

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Holger Burmeister (links) und Hans-Jürgen Nischk standen zu den Zahlen Rede und Antwort.

Uelzen. Weniger Straftaten insgesamt. Dafür mehr Rohheitsdelikte wie Körperverletzungen, Beleidigungen oder Nötigungen. Und mehr Diebstähle, insbesondere Taschen- und Ladendiebstähle.

Das sind die Kernaussagen der polizeilichen Kriminalstatistik für den Landkreis Uelzen, die gestern im Polizeikommissariat Uelzen vorgestellt wurde.

Die 5721 Straftaten in 2016 stehen 6066 in 2015 gegenüber – ein Rückgang um 345 Fälle und 5,7 Prozent. Im Bereich der Rohheitsdelikte stieg die Zahl von 719 auf 901 Fälle und im Bereich Diebstahlsdelikte von 2064 auf 2114.

Holger Burmeister, Leiter des Polizeikommissariats Uelzen, und Hans-Jürgen Nischk, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, können die Steigerungen erklären. So spiele die Kneipenszene in der Uelzener Innenstadt eine Rolle dabei, dass es zu mehr Vergehen wie Körperverletzungen gekommen sei. Die AZ hatte in den letzen Monaten mehrfach über diesen Negativ-Trend berichtet. Derzeit, so die Beamten, sei die Situation allerdings wieder ruhig. Eine erhöhte Präsenz, aber möglicherweise auch die winterlichen Temperaturen, sorgten wohl für kühlere Gemüter.

Für den Bereich der Diebstähle stellten die Beamten fest, dass sie es verstärkt mit gut organisierten, hochmobilen Tätergruppen, die häufig aus Georgien oder den sogenannten Maghreb-Staaten stammen, zu tun haben.

Die Zahl der Haus- und Wohnungseinbrüche sank stark: Und zwar um 43 Prozent von 129 auf 74 Fälle. Trotzdem, so Burmeister, setze man hier weiterhin auf Prävention.

Sorge bereitet den Beamten, dass unabhängig von Fallzahlen Hemmschwellen sinken, Fäuste schneller fliegen, auch Kollegen häufiger – 112 Fällen in 2015 stehen 129 in 2016 gegenüber – Opfer von Gewalt, Bedrohung oder Nötigung würden.

Hiesige Polizei klärt 65 Prozent der Straftaten auf

5721 bekanntgewordene Fälle, 65,43 Prozent davon aufgeklärt: Bei der Uelzener Polizei freut man sich über eine stabile Aufklärungsquote. „Das freut mich deswegen besonders, weil wir parallel dazu Überstunden abgebaut haben“, so Holger Burmeister. 

Bis zu 600 Überstunden hätten einzelne Uelzener Beamte gehabt, 53.000 zu viel gearbeitete Stunden hätten sich insgesamt angehäuft. Flexibilität und Vernetzung mit anderen Polizeistandorten sei der Schlüssel, um die Ermittlungserfolge hoch zu halten, so Hans-Jürgen Nischk, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. Und das trotz immer neuer Aufgabenschwerpunkte, wie die Bekämpfung von Computerkriminalität, wofür eine zwölfköpfige Taskforce gegründet wurde, was das Kommissariat überwiegend aus dem Personalstamm stemme. 

Einen Ausblick auf das noch junge Jahr werfen die Beamten hinsichtlich ihrer Präventionsarbeit. Auch hier werde Cybercrime weiter eine Rolle spielen, nicht zuletzt in Kooperation mit der AZ in der Serie „Ganoven im Netz“. Zudem sollen an Schulen weiter Sicherheit rund ums Fahrrad, Erscheinungsformen von Rechtsextremismus und die Gefahren von Alkohol am Steuer thematisiert werden. Aufgeklärt werden soll ebenfalls bezüglich Enkeltrick, des Auftretens falscher Polizeibeamter und der Sicherheit hinsichtlich Haus- und Wohnungseinbrüchen.

Von Steffen Kahl

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