Polizei zeichnet Verkehrskontrollen künftig im Video auf

Kleine Kamera, große Wirkung?

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Lichtempfindlich, Weitwinkel und drinnen ein Mikrofon: Mit der Videodokumentation von Verkehrskontrollen erhalten Polizisten mehr Sicherheit – und Hilfe beim „Papierkrieg“. 

Uelzen. Premiere in Uelzen: Die hiesige Polizeidienststelle erhält als erste innerhalb der Polizeidirektion Lüneburg einen Streifenwagen, der die Videoaufzeichnung von Verkehrskontrollen ermöglicht.

Aus Sicht von Ralf Munstermann, Leiter des Streifendienstes, könnte das erhebliche positive Auswirkung auf die tägliche Arbeit der Polizisten haben.

Ralf Munstermann mit dem Kamera-Wagen: Parallel zur „Polizei“-Anzeige werde künftig die Video-Aufzeichnung gestartet.

Nach Kontrollen sähen sich Beamte immer häufiger und unabhängig vom Klientel Beschwerden ausgesetzt – auch weil die Beschwerdemöglichkeiten in den letzten Jahren zugenommen hätten, so Munstermann. Die Kollegen hätten sich „im Ton vergriffen“, Beleidigungen geäußert, willkürlich gehandelt oder seien handgreiflich geworden heiße es insbesondere nach nächtlichen Kontrollen – oft im Zusammenhang mit berauschenden Mitteln bei den Kontrollierten. Ein bis zwei Mal pro Woche, erklärt Munstermann, beginne dann der „Papierkrieg“: Die Anschuldigungen müssten aufwändig widerlegt werden. Die Beamten haben bei so einem Vorfall oft viel „Schreibkram“ zu erledigen und das, obwohl es sich oft schlicht um „Lügen“ handele.

Nur an einen Fall einer berechtigten Beschwerde kann sich Munstermann in den vergangenen Jahren erinnern. Wegen eines „flotten Spruchs“, nicht wegen einer Beleidigung. In den zwölf Jahren als Leiter des Streifendienstes verfolge er das Ziel „ganz, ganz sauber zu arbeiten“, so Munstermann. Seither sei auch keiner der hiesigen Beamten von einem Gericht oder der Staatsanwaltschaft gemaßregelt worden.

Durch die Videoaufzeichnung werde das „Führen der Verfahren“ künftig einfacher und die Beamten entlastet, so Munstermann weiter. Die neue Technik, die in den nächsten Jahren in allen 19 Streifenwagen kommen soll, werde den Beamten das gute Gefühl geben, dass ihr korrektes Verhalten dokumentiert wird und sie vor Anschuldigungen sicher sind.

Mit Bodycams in Lüneburg und mit Fahrzeugen mit Videoüberwachung in anderen Bundesländern mache die Polizei durchweg gute Erfahrungen. Über die Aufnahme müsste die kontrollierten Bürger zur Verwertbarkeit nur aufgeklärt werden – aus Rücksicht auf ihre Persönlichkeitsrechte.

Von Steffen Kahl

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