Kritik an Beschlüssen der Politik

Klein Süstedter Bio-Geflügelhalter: Verbot zum Kükentöten reicht nicht

Geflügelhalter Carsten Bauck sagt: Das Tierleid bleibt.
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Geflügelhalter Carsten Bauck sagt: Das Tierleid bleibt.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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45 Millionen männliche Küken im Legehennenbereich wurden bisher jährlich in Deutschland getötet. Die Tiere setzen kaum Fleisch an, legen keine Eier. Das Kükentöten soll nun ein Ende haben. So hat es die Politik beschlossen. Das Verbot zum Kükentöten reicht Bio-Geflügelhalter Carsten Bauck aus Klein Süstedt nicht. Er sagt: Das Tierleid bleibt.

Uelzen-Klein Süstedt – Die neuen gesetzlichen Vorgaben sind unter Dach und Fach. Zuletzt stimmte der Bundesrat zu. Ab Januar 2022 ist das Töten männlicher Küken im Legehennenbereich verboten. Bisher waren jährlich gut 45 Millionen Küken in Deutschland kurz nach dem Schlüpfen vergast worden, weil sie keine Eier legen können und kaum Fleisch ansetzen. Bundesagrarministerin Julia Klöckner nennt das Verbot einen „Meilenstein für den Tierschutz“. Der Klein Süstedter Landwirt Carsten Bauck empfindet es hingegen als Augenwischerei.

Carsten Bauck ist nicht irgendwer. Er steht mit hinter der Bruderhahn-Intiative, die 2012 wegen des bisher millionenfachen Kükentötens gegründet wurde. Bauck sagt zu dem jetzt von der Politik beschlossenen Gesetz: „Nur weil jetzt keine getöteten Küken mehr zu sehen sind, ist die Misere nicht behoben.“ Jetzt würden im Ei empfindungsfähige Wesen getötet.

Ein Küken schlüpft nach 21 Tagen. Zurzeit sind Verfahren marktreif, mit denen zwischen dem 9. und 14. Tag das Geschlecht bestimmt werden kann. „Ab dem 11. Tag ist das Ei aber schon voll“, sagt Bauck. Dann gebe es ein Schmerzempfinden. Das Aussortieren der Eier in diesem Stadium, sie zu pasteurisieren und zu zerreiben, hält er genauso wenig mit dem Tierschutzgesetz vereinbar, wie das Töten der geschlüpften Küken.

Dem Gesetzgeber scheint die Problematik auch bewusst, denn in einer zweiten Stufe der neuen gesetzlichen Vorgaben sollen ab 2024 Eingriffe bei den Eiern bereits ab dem siebten Tag tabu sein. Eine Geschlechterbestimmung müsste dann zuvor möglich sein. Bauck hat jedoch seine Zweifel: „All jene aus der Branche, mit denen ich gesprochen habe, sagen: Sie wissen noch gar nicht, wie das gehen soll.“

Ehrlicherweise müsse den Menschen gesagt werden, dass weiter getötet werde – aus ökonomischen Gesichtspunkten heraus, meint Bauck. Und damit würde immer noch das Tierschutzgesetz missachtet. Dort heißt es: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Und wirtschaftliche Interessen seien kein vernünftiger Grund. Das habe auch das Bundesverwaltungsgericht 2019 der Politik ins Stammbuch geschrieben, weshalb sie überhaupt aktiv wurde, wie Bauck erklärt. „Julia Klöckner spürte den Druck.“

Programme wie die Bruderhahn-Initiative bilden eine Alternative, so Bauck. Dazu muss man wissen: Für die Eierproduktion sind Hennen besonders herangezüchtet worden, die männlichen Nachkommen haben keinen nennenswerten Fleischansatz und sind damit für den Mastbereich nicht profitabel. Im Betrieb von Bauck kommt es über die Bruderhahn-Initiative zur Aufzucht solcher Tiere – zur späteren Schlachtung und Vermarktung. „Sie brauchen viel Futter. Das ist teurer“, sagt Bauck. Gegenfinanziert wird das mit einem Aufschlag bei den Eiern von je vier Cent.

Aktuell hält er etwa 1500 Bruderhähne in mobilen Hühnerställen mit Auslauf. Sie sind gut 14 Wochen alt, in weiteren sieben Wochen sind sie schlachtreif. „Ich sage ehrlich: Der Bauck ist keiner, der alle Tiere groß streichelt.“ Aber mit der Bruderhahn-Initiative agiere man nach dem Tierschutzgesetz und nicht ihm entgegen.

Am liebsten wäre es ihm, wenn die Menschen grundsätzlicher weniger Fleisch und Eier konsumieren würden. Dann seien noch bessere Haltungsmethoden möglich. „Die Menschen haben es in der Hand“, betont der Landwirt. Und wichtig sei auch, dass sie entsprechend informiert seien, um dann auch aktiv eine Entscheidung treffen zu können. Es brauche eine aufgeklärte Gesellschaft. Deshalb bringe er sich aktuell ein. „Ich will nicht, dass jemand hinter die Fichte geführt wird bei diesem Thema“. Ihn beschäftigt es bereits seit Jahren.

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