1600 Bananenkartons finden den Weg ins weißrussische Gomel

Kleidung für kalte Tage

Fleißige Spender und Helfer: 1620 Kartons wurden in Groß Liedern verpackt und in den Lkw geladen. In Gomel freuen sich die Menschen vor allem über warme Kleidung für den kalten Winter. Foto: Bleuel

Groß Liedern. Sergej aus Weißrussland ist Brummifahrer. Ein im Wesen gemütlicher dazu. Seit 20 Jahren verkehrt er regelmäßig mit dem Lkw zwischen Weißrussland, Deutschland und Westeuropa.

Vieles hat er schon transportiert, Bananenkartons allerdings noch nicht, schon gar nicht solche, in denen nicht mal die gelben Südfrüchte eingepackt sind, sondern warme Kleidung. Gebrauchte Kleidung für Familien in Gomel. Mit sanftem Pedaldruck stellt er das vielräderige tonnenschwere Fahrzeug zentimetergenau vor dem Lagerraum der Kleider-Sammelstelle in Groß Liedern ab.

Zig Tonnen an Hilfsgütern, in erster Linie natürlich Bekleidung, wurden in den vergangenen Jahren gesammelt, verpackt, beschriftet und nach Gomel transportiert. In all den Jahren klappte die Verladung auf einen Lkw hervorragend über eine dem Verladungsraum angepasste Rampe. Der Lastwagen konnte bequem von vorn nach hinten beladen werden. Das geht nun nicht mehr. Mehr als 1600 Kartons waren diesmal aus dem ersten Stock des Lagers in Groß Liedern auf den 40-Tonner zu beladen. Eine logistische Herausforderung für die freiwilligen Helfer. Aber nur eine kleine, denn zu helfenden Händen gehören meist auch denkende Köpfe. In wenigen Stunden wurde im Vorfeld eine Rutsche aus Holz gezimmert, ein Bremstisch gebaut und der „Balkonbereich“ im Lager mit einer Aufhängevorrichtung für die Rutsche versehen.

Nach gut zwei Stunden war das Fahrzeug beladen und stand bereit für den Transport nach Gomel. Auf die fleißigen Helfer wartete ein Frühstück, zubereitet von den Damen der Kleider-Sammelstelle. Und irgendwie fällt in den Gesprächen am Tisch eine mysteriös klingende Zahl, die den mitessenden Kraftfahrer stutzig macht. Mit seiner zurückhaltenden Art ist es plötzlich vorbei. Sergej wird dienstbeflissen. Keiner kennt die Zollvorschriften so wie er. 1620 Kartons stehen auf den Transportpapieren. 1640 wurden beim Verladen mitgezählt. Die gingen auch alle prima auf den Lkw. Dürfen aber nicht. Sergej legt seine Stirn in Falten. So geht das nicht. 20 Kartons müssen wieder runter. Wie das denn? Die ganze Ladung wäre dann doch nicht mehr gesichert. Die Einwände nimmt der Lkw-Lenker gelassen entgegen. Gegen die bestimmende Sturheit des Weißrussen ist kein Kraut gewachsen, dann aber überrascht er alle mit einem ebenso simplen wie auch genialen Einfall: 40 Kartons werden wieder abgeladen, paarweise zusammengebunden und wieder in die Lücke auf dem 40-Tonner gepackt. Die Kartonpaare gelten beim Zoll als jeweils ein Karton. Sagt Sergej. Und der muss es ja wissen.

Dann setzt sich das PS-starke Ungetüm in Bewegung. Über Vertrauensleute oder Besichtigungen vor Ort bei den jährlich zweimal stattfindenden Konvois ist gewährleistet, dass die Spenden dort ankommen, wo sie gebraucht werden.

So schreiben Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Blagodat an ihre „lieben deutschen Freunde“ und danken für die Bemühungen. Gerade warme Kleidung wird aktuell benötigt: In Gomel liegt reichlich Schnee und zum Wochenende kündigen Meteorologen zweistellige Minusgrade an.

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