Klartext reden

Unsere Sprache verfügt über einen Wortschatz von über 300 000 Wörtern. Jugendliche, die um die 15 Jahre alt sind, kommen laut Untersuchungen im Schnitt mit einem Vokabular von etwa 12 000 Wörtern aus.

Doch es reichen noch viel weniger Worte aus, um in entscheidenden Momenten Situationen zu verändern und Weltgeschichte zu schreiben. . . . . So soll angeblich der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer mit einem Grundwortschatz von nur 500 Wörtern zurechtgekommen sein. Mit noch viel weniger Worten begann der endgültige Untergang des amerikanischen Apartheidsystems, als Martin Luther King damals den Ball ins Rollen brachte mit den Worten: „I have a dream“. . . . . Es wird oft viel geredet, aber wenig ausgesagt, so dass der Eindruck entsteht, dass – wie eine ältere Dame es vergangene Woche mir gegenüber formulierte – „um den heißen Brei herumgeredet“ wird. Oder es wird geredet um des Redens willen, vor allem, um sich selbst zu profilieren und beachtet zu werden. . . . . Viele reden lieber über Andere als mit Anderen. Und das geht neben dem althergebrachten „Ablästern“ über Dritte bei den heutigen technischen Möglichkeiten noch viel einfacher als früher. So wurde zum Beispiel in den vergangenen Wochen durch eine Online-Petition ein bekannter Moderator in die Zange genommen und einem Sportler durch einen sogenannten „Shitstorm“ das Leben schwer gemacht. Kritik wird heutzutage häufig anonym geübt, so dass das direkte Gegenüber fehlt und eine angemessene Auseinandersetzung unmög-lich ist. . . . . Bei der Vielfalt an Kommunikationswegen und dem Überfluss an Informationen und Möglichkeiten der Meinungsäußerung ist die Gefahr groß, den Überblick zu verlieren und noch das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden zu können. . . . . So hoffe ich, dass wir aufhorchen, wenn es im biblischen Monatsspruch aus dem Epheserbrief für den Monat Februar heißt: „Redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. “ . Ulf Cyriacks ist Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Himbergen.

Von Ulf Cyriacks

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