Von Woche zu Woche: Kommentar von AZ-Redakteur Gerhard Sternitzke zum Ausbau der A 39 

A 39: Klarheit für die Betroffenen

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Anhand von Visualisierungen zeigt die Landesstraßenbaubehörde, wie der Autobahnbau die Landschaft zwischen Groß Hesebeck (rechts der Sportplatz) und Röbbel verändert.

Autobahn-Planer müssen einen langen Atem haben. Unzählige Aspekte vom Geländeniveau bis zur gewohnten Flugbahn der Fledermäuse müssen berücksichtigt werden, bis aus einem ungefähren Korridor eine Trasse mit Auf- und Abfahrten wird.

Ihnen muss es eine besondere Befriedigung sein, die Visualisierungen zu sehen, die jetzt beim Infomarkt im Bevenser Kurhaus gezeigt wurden. Aus Sicht der Ingenieure dürfte das Bild eine besondere Ästhetik besitzen – der sanfte Schwung der Fahrbahnen mit der eleganten Überführung der Ortsverbindungsstraße Groß Hesebeck-Röbbel. Ob die Bürger der beiden besonders betroffenen Orte das auch so sehen, ist eine andere Frage. Und natürlich geht es hier nicht um Kunst.

Die Bürger erwarten zweierlei von der Landesstraßenbaubehörde: Sie wollen wissen, was konkret geplant ist. Wie sie ganz direkt betroffen sind in ihrem Dorf, auf ihrem gewohnten Spazierweg oder als Landwirte bei der Bewirtschaftung ihrer Felder. Hier hat die Behörde schon durch die Einführung der Form der Infomärkte ein Stück mehr Offenheit gewagt. Ein ganzes Arsenal von Planern stand auch am Dienstag bereit, um die Fragen der Bürger zu beantworten. Die Visualisierungen, in diesem Fall zum Nadelöhr zwischen den beiden genannten Dörfern, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Mehr davon! Auch die Oetzener wollen wissen, wie sich ihre Umgebung verändert.

Um es klarzustellen: Eine farbige Simulation der Ansicht nach Bau der Autobahn macht diese für die Groß Hesebecker nicht ein Quäntchen leiser. Dörfer wie dieses zahlen den Preis für die schnelle Anbindung. Aber die Bewohner erfahren, was auf sie zukommt. Wenigstens optisch erhalten sie entfernt ein Gefühl dafür, wie sich das anfühlt, die Autobahn in unmittelbarer Nähe des Dorfes. Und sie können nachvollziehen, welchen Lärmschutz die Ingenieure zu ihrem Schutz vorgesehen haben – denn die Autobahn schläft nie.

Die Bilder zeigen Brückenbauwerke und Lärmschutzwände in der Landschaft, manchmal als schmales grünes Band am Horizont. Man könnte es fast übersehen. Das sei aber nicht Sinn der Visualisierungen, ein harmloses Bild zu zeigen, betont die Chefplanerin. Wie er sie interpretiert, muss jeder selbst entscheiden.

Auch die Bevenser wissen jetzt, woran sie sind. Wenn der zweite Abschnitt der A 39 fertig ist, endet er bei Römstedt – und sucht seinen Weg in Richtung Süden, das heißt, zur B 4. Damit müssen die Kurstädter leben, ebenso wie die Groß Liederner, denn bei Hanstedt II an der B 71 endet Abschnitt drei. Eine Autobahn dieser Länge in einem Rutsch bauen, das geht nicht. Klare, wenn auch unerfreuliche Mitteilung der Chefplanerin.

Im Planfeststellungsverfahren, das 2020 beginnt, gibt es dann die Möglichkeit, die Pläne per Einwendung auseinanderzunmehmen oder anschließend zu klagen, um die eigenen Interessen zur Geltung zu bringen.

Von Gerhard Sternitzke

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