Nach dem Millionenverlust des ersten Quartals schaut Nordzucker zuversichtlich in die Zukunft

Klares Bekenntnis zum Werk in Uelzen

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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil im „Herzstück“ der Uelzener Zuckerfabrik, der Leitzentrale: Von hier werden alle Abläufe auf dem Gelände zentral überwacht.

Uelzen. Die VW-Affäre im Nacken, in der Flüchtlingskrise innenpolitisch angeschlagen – in turbulenten Zeiten stattete Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil gestern mit der Zuckerfabrik einem Sorgenkind der Uelzener Wirtschaft einen Kurzbesuch ab, das sich seinerseits „moralische Rückendeckung“ vom Landesvater erhoffte.

Das erklärte Nordzucker-Vorstandsvorsitzender Hartwig Fuchs, um dann seinerseits viel Zuversicht zu verbreiten: Schon in zwei Jahren wolle das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben, Entlassungen seien nicht geplant.

Hintergrund für den Umsatzeinbruch bei Nordzucker ist ein ruinöser europaweiter Verdrängungswettbewerb um Marktgebiete und Kunden, der die Preise für Zucker tief in den Keller rutschen ließ. Dabei wird zwischen den EU-Ländern der Wettbewerb verzerrt, weil einige nach dem Wegfall von Subventionen „durch die Hintertür“ ihre Unternehmen weiter stützen würden, kritisierte Weil.

Hartwig Fuchs umriss kurz das Effizienzprogramm, mit dem Nordzucker wieder in die Spur kommen will: „Die Landwirte bauen 15 bis 20 Prozent weniger Fläche an, weil wir nur durch eine geringere Produktion die Preise wieder nach oben ziehen können“.

Deshalb wird die Kampagne in diesem Jahr schon Silvester enden, in den Vorjahren ging sie auch schon mal bis Februar. Die Verschlankung sehe auch vor, manche Leistungen und Produkte, die kaum in Anspruch genommen werden, künftig nicht mehr anzubieten. Fuchs rechnet fest damit, dass der aktuelle Wettbewerb die aktuell 26 Zucker-Produzenten in Europa bis zum Jahr 2020 auf fünf bis sieben schrumpfen lassen wird. „Die Politik hat die Weichen gestellt, dass die kleineren Strukturen aufhören zu existieren und jetzt muss man eine bestimmte Größe haben, um zu überleben“, so der Vorstandsvorsitzende.

Nordzucker würde den Verdrängungswettkampf durchhalten, „denn wir sind komplett schuldenfrei“. Dazu hätten die Eigentümer einen großen Anteil geleistet, „dafür können wir ihnen nur Respekt zollen“. Dann ging es im Laufschritt mit dem Ministerpräsidenten durch das Werk, „es war beeindruckend und hat Spaß gemacht“, versicherte Stephan Weil und stieg flugs wieder in die Limousine – in der Landeshauptstadt wartet ein Haufen ungelöster Probleme.

Von Thomas Mitzlaff

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