Klarer Kopf statt Komasaufen

Teilnehmer des Alkohol-Präventionsprojekts der BBS II genossen zum Abschluss einen alkoholfreien Cocktail.

Uelzen - Von Bernd Schossadowski. Minderjährige, die schon nachmittags sturzbetrunken sind und von der Polizei auf der Straße aufgegriffen werden: Das ist in Uelzen keine Seltenheit. Niedersachsenweit steht der Landkreis bei Alkohol-Exzessen von Jugendlichen und jungen Erwachsener an zweiter Stelle.

Für Horst Wüsthoff, Lehrer im Fachbereich Sozialpädagogik der Georgsanstalt/Berufsbildende Schulen (BBS) II in Uelzen, war diese alarmierende Meldung der Anlass, an seiner Schule das Präventionsprojekt „Leben planen – Jugend und Alkohol“ zu starten. Fünf Tage lang beschäftigten sich die Schüler jetzt mit den Gefahren des Alkoholkonsums.

„Es war eine gelungene Projektwoche. Der überwiegende Teil der Schüler war begeistert dabei“, zieht Wüsthoff nun eine rundum positive Bilanz der Aktion. Nach der Methode „Schüler unterrichten Schüler“ hatten die beiden Abschlussklassen der Fachschule Sozialpädagogik etwa 110 Mitschüler aus dem Hauswirtschaftsbereich der BBS II eigenständig in Arbeitsgruppen angeleitet. „Dieses Thema können Gleichaltrige viel besser vermitteln als wir gestandenen Lehrkräfte. Der Alterunterschied beträgt im Schnitt nur zwei bis drei Jahre“, erklärt Wüsthoff.

Eine der insgesamt 39 Gruppenleiterinnen war Lisa Grewe aus Westerweyhe. Sie sei anfangs noch ein wenig unsicher gewesen, ob ihre 16 bis 19 Jahre alten Schüler bei dem Projekt auch vernünftig mitarbeiten, sagt die 20-Jährige. „Aber sie haben das ganz toll gemacht. Es wurde von Stunde zu Stunde immer besser und hat ihnen richtig Spaß gemacht.“

Besonders ergreifend war für ihre Gruppe der Besuch einer Frau aus Rätzlingen, deren drei Pflegekinder schwerstbehindert geboren wurden, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken hatten. Durch die Schilderungen der Pflegemutter erkannten die BBS-Schüler, wie gefährlich Alkohol sein kann. „Sie fanden das sehr erschreckend“, schildert Lisa Grewe.

Kreativ gearbeitet wurde in den Projektgruppen auch. So sollten die Schüler einen Videofilm gegen Alkoholmissbrauch drehen. Darüber hinaus entwarfen sie ein Fotostory. Ausgangspunkt hierfür war ein Film über eine Alkoholikerin, die Mitte zwanzig ist, ihr Leben dank einer Therapie aber wieder in den Griff bekommt. Hier sollten sich die Schüler ein anderes Ende der Geschichte ausdenken und auf Fotos festhalten, was ohne die Therapie passiert wäre. „Sie waren erstaunt, dass auch junge Frauen alkoholabhängig seien können. Bislang dachten sie immer, dass diese Krankheit nur ältere Männer betrifft“, berichtet Lisa Grewe.

Zudem erlebten die Schüler hautnah, wie ein Vollrausch enden kann – bei einem Besuch in der Ausnüchterungzelle der Uelzener Polizei, von dem sie sichtlich beeindruckt waren. Auch die Berichte eines Arztes aus dem Klinikum Uelzen über die dramatischen Folgen des Komasaufens öffnete vielen Jugendlichen die Augen. Rollenspiele, Übungen zur Stärkung des Selbstbewusstseins, Theateraufführungen mit dem Titel „Flasche leer“ und eine Abschlussfeier mit selbst gemixten alkoholfreien Cocktails rundeten die Projektwoche ab.

Lisa Grewe ist überzeugt, dass die Jugendlichen in den fünf Tagen eine wichtige Erkenntnis erlangt haben. „Sie haben gesagt, dass sie künftig bewusster trinken wollen. Jetzt wissen sie, dass sie auch ohne Alkohol Spaß haben können“, erzählt die junge Frau.

Voll des Lobes für die Arbeit der Gruppenleiter und der BBS-Schüler ist Lehrer Wüsthoff. „Sie waren sehr engagiert und motiviert dabei. Ich denke, dass wir dieses Projekt im nächsten Jahr wiederholen werden“, kündigt er an.

Auch Lisa Grewe hat während der Woche viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. „Es hat richtig Spaß gemacht“, verrät sie. Eigentlich habe sie nach dem Ende ihrer Ausbildung im Sommer 2011 Kindererzieherin werden wollen. „Jetzt kann ich mir aber vorstellen, mit Jugendlichen zu arbeiten, zum Beispiel in einem Heim.“

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