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Diskussion in Bad Bevensen: Acht Direktkandidaten zu Energie-Preisen, Verkehr, Klima und Bildung

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Von: Theresa Brand, Norman Reuter, Jannis Wiepcke, Bernd Schossadowski, Lars Lohmann

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Jeweils zu zweit an einem Tisch, in alphabetischer Reihenfolge: Andreas Dobslaw (l.) und Christian Dörhöfer.
Jeweils zu zweit an einem Tisch, in alphabetischer Reihenfolge: Andreas Dobslaw (l.) und Christian Dörhöfer. © Reuter, Norman

Acht Kandidaten, ein großes Spektrum an Themen und gut 150 Besucher: Die AZ hat drei Wochen vor der Landtagswahl zur Podiumsdiskussion ins Kurhaus von Bad Bevensen geladen.

Bad Bevensen/Landkreis – Mal wurden Gemeinsamkeiten beschworen, mal auch bissig auf den Vorredner reagiert: Die acht Direktkandidaten aus dem Landkreis Uelzen für die Landtagswahl – Andreas Dobslaw (unabhängiger Kandidat), Christian Dörhöfer (AfD), Jörg Hillmer (CDU), Pascal Leddin (Grüne), Dierk Pellnath (Freie Wähler), Thorben Peters (Linke), Jan Henner Putzier (SPD) und Christian Teppe (FDP) standen bei der AZ-Podiumsdiskussion, moderiert von Redaktionsleiter Lars Becker, Rede und Antwort.

Energiekrise und Ukraine-Krieg

Die Energiekrise und die galoppierenden Strom- und Gaspreise treiben die Menschen um – bei der Diskussion wurde dies als erstes besprochen: „Die Leute haben Angst, weil der rote Faden fehlt und bei vielen das Lebenswerk auf dem Spiel steht“, sagte Dobslaw. Er vermisse eine klare Strategie, um die Folgen des Ukraine-Krieges aufzufangen. Was dazu führe, dass alles mit heißer Nadel gestrickt sei und so Berufsgruppen und Menschen vergessen würden.

Putzier bezeichnete die Folgen des Ukraine-Krieges als größte Krise der vergangenen Jahrzehnte und berichtete von Menschen, die sich sonntags angesichts der Preise keine Brötchen vom Bäcker mehr leisten könnten. Die vom Land und vom Bund aufgesetzten Paketen seien erste richtige Schritte. Man brauche aber eine Deckelung der Gas- und der Strompreise.

Dieser Deckel müsse auf EU-Ebene eingeführt werden, forderte FDP-Kandidat Teppe und warnte vor Schwarzmalerei: Es gebe ein funktionierendes Sozialsystem und der Staat könne diejenigen, die Hilfe brauchen, unterstützen.

Jörg Hillmer (l.) und Pascal Leddin äußerten sich zur Energie-Krise, Bildung und mehr.
Jörg Hillmer (l.) und Pascal Leddin äußerten sich zur Energie-Krise, Bildung und mehr. © Reuter, Norman

Hillmer schlug vor, Kunden zu entlasten, indem sie bei der aktuellen Rechnung drei Viertel des Vorjahresverbrauchs zu annehmbaren Preisen abrechnen können und den Rest zu den Marktpreisen. Ansonsten forderte er, wie auch Teppe und Dörhöfer, die Atomkraftwerke länger laufen zu lassen. „Uran wächst nicht auf Bäumen“, erklärte hingegen Peters. Der Rohstoff komme meist aus Russland, dass den völkerrechtswidrigen Krieg in der Ukraine angefangen habe. Wobei er für den Konflikt eine diplomatische Lösung forderte. Zudem müsse es eine Übergewinnsteuer geben und einen Gas- und Strompreisdeckel.

„Wir stehen vor dem Scheiterhaufen der Energiepolitik der vergangenen 16 Jahre“, erklärte Leddin. Dies habe die krasse Entwicklung der Energiepreise in Folge des Ukraine-Krieges begünstigt. Es brauche den Preisdeckel.

Pellnath konstatierte eine fatale Abhängigkeit von einem Despoten. Er habe erlebt, wie Menschen beim Einkaufen aufgrund der Preise Ware zurücklegen mussten, weil sie sie doch nicht bezahlen konnten. Für Dörhöfer ist die Lösung eine andere. „Wir sollten Nord Stream 2 einschalten“, sagte er.

Lehrermangel und Ärzte auf dem Land

Es ist ein weites Feld – die soziale Daseinsvorsorge. Doch danach gefragt, was ihnen dabei besonders wichtig erscheint, kristallisierte sich bei den Landtagskandidaten schnell die Unterrichtsversorgung heraus. „7000 Lehrer fehlen in Niedersachsen“, so Dörhöfer, nannte das eine bedenkliche Entwicklung. Hillmer hat die „Ausreden“ des Kultusministeriums zu den Personalproblemen satt, kündigte an, dass es mit der CDU eine Unterrichtsgarantie für Schüler geben werde. Als „dreist“ bezeichnete diesen Vorstoß Putzier, weil dafür erst Lehrer ausgebildet werden müssten. Das dauere Jahre. Peters wundert sich über fehlende Lehrer nicht, „weil Niedersachsen eines der Bundesländer ist, die am schlechtesten bezahlen.“

Jan Henner Putzier (l.) und Christian Teppe gehören ebenfalls zu dem Feld der Landtagskandidaten.
Jan Henner Putzier (l.) und Christian Teppe gehören ebenfalls zu dem Feld der Landtagskandidaten. © Reuter, Norman

Er mahnte auch an: Bei Ausbruch der Corona-Pandemie sei für die Pflegekräfte applaudiert worden, „passiert ist aber nichts.“ Hier brauche es Solidarität und einen Umbruch: Krankenhäuser gehörten in die öffentliche Hand. Putzier sprach diesbezüglich von einer starken Hand des Staates, die es bedürfe, beispielsweise auch, um Krankenhäuser wieder in kommunale Trägerschaft zu überführen. Um genügend Ärzte zu haben, sollte darüber nachgedacht werden, ob noch der Numerus Clausus für Studienplätze gebraucht werde, meinte Pellnath. Teppe fand, es müssten nun endlich die Funklöcher auf dem Land geschlossen werden. Für Dobslaw ist klar, der geplante BBS-Campus in Uelzen muss kommen. „Damit man das Handwerk hier hält.“

Gut 150 Besucher fanden den Weg zur Podiumsdiskussion im Kurhaus von Bad Bevensen, darunter auch zahlreiche Tagespflegepersonen aus dem Landkreis Uelzen. Fotos: REUTER (5) / BRAND (2)
Gut 150 Besucher fanden den Weg zur Podiumsdiskussion im Kurhaus von Bad Bevensen, darunter auch zahlreiche Tagespflegepersonen aus dem Landkreis Uelzen. Fotos: REUTER (5) / BRAND (2) © Reuter, Norman

Klimawandel und Wasserversorgung

Ein weiteres Thema war die Wasserversorgung im Landkreis: Aufgrund des Klimawandels nimmt die Trockenheit immer mehr zu und die Grundwasserspiegel sinken. Vor diesem Hintergrund sprach sich Teppe für eine vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen aus. Das so gereinigte Wasser könne in Felder und Wälder geleitet werden – bislang fließe es über die Ilmenau ab. Putzier betonte: „Wasser ist die Grundlage unserer Landwirtschaft und des Lebens in der Region.“ Daher müsse es eine Förderung für neue Projekte zum Bau von Rückhaltebecken geben.

Peters schlug er vor, dass die Einnahmen aus der erneuerbaren Energie, die im Landkreis erzeugt wird, direkt den hiesigen Kommunen zugutekommen solle, zum Beispiel für deren Jugendzentren. Pellnath appellierte an die Bürger, ihren Wasserverbrauch zu senken, etwa durch moderne Duschköpfe.

Ganz wichtig sei die Entsiegelung von Flächen, damit Regenwasser im Boden versickern könne, betonte Leddin. Hillmer warnte jedoch davor, Panik zu schüren, dass es in der Region irgendwann kein Grundwasser mehr gebe: „Im Winter füllt sich dieses immer wieder auf. Über Jahrzehnte hinweg ist das Grundwasser nicht abgesunken.“

Trinkwasser sei „essenziell wichtig“, meinte auch Dörhöfer. „Was immer nötig ist, muss gemacht werden, um die Landwirtschaft hier aufrechtzuerhalten.“ Dobslaw plädierte für die Verrieselung von Grundwasser und den Bau von Speicherbecken. Beides sei aber sehr kostspielig. „Es besteht ganz viel Handlungsbedarf. Da müssen das Land und auch der Bund ganz viel tun“, forderte er.

Dierk Pellnath (l.) und Thorben Peters gingen auf die Fragen des Abends ein.
Dierk Pellnath (l.) und Thorben Peters gingen auf die Fragen des Abends ein. © Reuter, Norman

Autobahn und Bahnprojekte

Beim äußerst vielseitigen Themenblock Verkehrsinfrastruktur und Mobilität setzten die Kandidaten unterschiedliche Schwerpunkte – Dobslaw maß dem 2+1-Ausbau der B4 besondere Bedeutung zu. Er erklärte, dass dieser die einzige Möglichkeit sei, um die hohe Verkehrsbelastung – die durch den Bau der Fehmarnbeltbrücke noch deutlich zunehmen werde – einzudämmen. In puncto Trassenplanung warb er für eine Kombination aus Alpha-E und A7-Variante, falls die Alpha-E-Kapazitäten nicht ausreichten.

Dörhöfer wollte sich nicht für eine Trassenvariante entscheiden. Es bleibe ein Abwägungsprozess, bei dem der Schutz der Natur Priorität haben müsse, erklärte er. Zu einem Bau der A39 äußerte sich Dörhöfer indes wohlwollend. Auch Jörg Hilmer sprach sich für die A39 aus. Bei der Trassendiskussion ließ er wenig Spielraum für Interpretationen: „Alpha-E oder gar nichts“, sagte Hillmer.

Pascal Leddin lenkte die Aufmerksamkeit auf den öffentlichen Personennahverkehr. Der Wunsch nach einem Nachfolger für das Neun-Euro-Ticket sei groß sei, erklärte er. Deshalb müsse der Ausbau von Bahnstrecken – im Falle des Landkreises sprach sich Leddin für die Variante Alpha-E aus – vorangetrieben werden.

„Ich mache es kurz: Pro A39, pro B4-Ausbau und Alpha-E soll Bestand haben“, erklärte Pellnath. „Mobilität darf keine Geld-Frage sein“ – sagte Peters. Um dem Klimawandel Rechnung zu tragen, müsse mehr in den Bus- und Bahnausbau investiert werden. Peters sprach sich gegen die A39, aber für den B4-Ausbau und auch für Alpha-E aus.

Beim Thema Trassenplanungen forderte Putzier einen konstruktiven Dialog zwischen der Bahn und den Menschen. FDP-Kandidat-Teppe machte sich für einen Bau der A39 und die Alpha-E-Trassenvariante stark.

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