Hofnachfolge in drei von vier Fällen geregelt

Klare Philosophie in Melzingen: „Machen, was der Markt fordert“

Eckhard und Henning Schulz vor der Biogasanlage auf dem Immenhof in Melzingen. Vor zwei Jahren übergab Eckhard Schulz formal die Hofführung an seinen Sohn Henning.
+
Eckhard und Henning Schulz vor der Biogasanlage auf dem Immenhof in Melzingen. Vor zwei Jahren übergab Eckhard Schulz formal die Hofführung an seinen Sohn Henning.

Melzingen/Landkreis – Vor zwei Jahren übergab Eckhard Schulz den Immenhof in Melzingen formal an seinen Sohn Henning Schulz. Tatsächlich erfolgte die Übergabe nach Aussage des alten und neuen Inhabers fließend und über mehrere Jahre.

Eckhard Schulz arbeitet auch heute im Alter von 67 Jahren weiter auf dem Immenhof.

Wie aus einer aktuellen Meldung des Landvolks Niedersachsen hervorgeht, haben drei von vier Landwirten, die 50 Jahre oder älter sind und innerhalb der nächsten zehn Jahre ihren Hof abgeben wollen, bereits einen Hofnachfolger gefunden. Die Rentenbank hat nach Angaben des Landvolk-Pressedienstes die Daten von 800 befragten Landwirten ausgewertet.

Die Betriebe wurden demnach im Durchschnitt bereits von fünf Generationen bewirtschaftet. Die angehenden Hoferben verfügten zumeist über den Meisterbrief oder einen Fachhochschul- oder Universitätsabschluss, wenn sie in die Verantwortung kommen. Das lasse sich auch an der relativ großen Bereitschaft ablesen, im Zweifelsfall den Hof einem familienfremden Nachfolger anzuvertrauen. Dies bereite demnach drei von vier Landwirten im Alter von 50 Jahren und älter und ohne Aussicht auf einen Nachfolger aus den Reihen der Familie keine Probleme.

Bei den Schulzes erfolgte der Wechsel reibungslos. „Jeder arbeitet in seinem Bereich und genießt dabei Freiheiten“, sagt Henning Schulz, der Agrarwirtschaft in Osnabrück studiert hat. Eckhard Schulz kümmert sich schwerpunktmäßig um die Stallanlage, für seinen Sohn stehe viel Büroarbeit an. Der aktuelle Hofinhaber komme nach eigenen Angaben auf rund 60 bis 80 Arbeitsstunden.

Der Immenhof hat mehrere Schwerpunkte. So betreibt er seit 2005 eine eigene Biogasanlage, die Strom und Wärme erzeugt. Grundlage ist hierfür das Erneuerbare-Energien-Gesetz aus dem Jahr 2000. Außerdem gibt es beim Immenhof 280 Zuchtsäue, wobei eine Sau etwa 30 Ferkel jährlich zur Welt bringt. Die Stallanlage war zuletzt vor zehn Jahren erweitert worden. Auf 160 Hektar Land werden Mais, Kartoffeln, Getreide und Zuckerrüben angebaut. Zudem bietet der Hof Platz für 35 Pferde. Dafür stehen den Schulzes acht Arbeitskräfte, davon sechs in Vollzeit, und ein 17 Jahre alter Auszubildender zur Verfügung.

Auch Eckhards Frau Anne und Hennings Ehefrau Inna helfen auf dem Hof. Hennings jüngerer Bruder Hanke Schulz arbeitet zudem auf dem Immenhof mit und ist vor allem mit der Tierproduktion beschäftigt. „Wir versuchen zu wachsen, um die Kosten zu senken“, beschreibt Henning Schulz seine Philosophie. „Wir sind flexibel und haben bislang gemacht, was der Markt gefordert hat.“ Oft sprechen Vater und Sohn aber auch über aktuelle Probleme und darüber, was man in Zukunft verändern könnte oder müsste. Aktuell bereiten ihnen die öffentlichen Diskussionen um die Schweinehaltung Sorge. „Wir fühlen uns generell von der Politik im ländlichen Raum zunehmend abgehängt“, sagt Eckhard Schulz.

An ein Aufhören auf dem Immenhof denke er nicht. „Auch meine Eltern und Großeltern haben hier jeweils gearbeitet, so lange es gesundheitlich ging“, so der 67-Jährige. Sein 30 Jahre jüngerer Sohn Henning hat selbst vier Jahre alte Zwillinge. Er sagt: „Ich gehe davon aus, das einer von ihnen den Immenhof eines Tages übernehmen wird.“

VON TIMO HÖLSCHER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare