Vernissage im Ratssaal

Die umstrittene Ausstellung

+

Uelzen. Wäre Wolfgang Stulpe nicht gewesen, Uelzen wäre um einen großen Kunstschatz ärmer. Über Jahrzehnte hatte der Ausstellungsleiter des Kunstvereines Bilder von in Uelzen ausstellenden Künstlern und anderen gesammelt. So kam eine erklekliche Anzahl von Stücken zusammen.

Seit 1997 hängen Werke aus der Sammlung im Rathaus, 333 Werke sind es nun. Heute wird mit einer Vernissage um 17 Uhr im Ratssaal auf „Kunst im Rathaus – Bildersammlung Stulpe“ hingewiesen.

Heute vor zehn Jahren und fünf Tagen hat Wolfgang Stulpe sich selbst getötet. Unmittelbar vorausgegangen waren Ermittlungen der Polizei wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen und Verbreitung pornografischer Schriften – der Lehrer Stulpe soll, so lautete der Vorwurf, jahrelang Bilder und Filme von Jungen aus Sonder- und Hauptschulen gesammelt haben, die nackt sind und sich selbst befriedigen.

In den Ankündigungen vom Kunstverein und im nun veröffentlichen Katalog – herausgegeben mit Hilfe der Stadt Uelzen, der Sparkassenstiftung Uelzen und des Lüneburger Landschaftsverbandes – steht davon nichts. Auf dem Internetauftritt des Kunstvereins wird knapp „...der den Freitod wählte“ formuliert; im Katalog wird von den „tragischen Umständen“ geredet, unter denen Stulpe „aus dem Leben schied“. Zusammenhänge werden nicht erklärt. Im Katalog schreibt Heinrich Heeren, ehemaliger Stadtbaurat: „Das Schicksal des Stifters und sein tragisches Ende gerecht zu beleuchten und dabei seine großherzige Stiftung für die Nachwelt angemessen zu würdigen, ist nicht hier der Ort“. Auch hier findet sich nichts Erhellendes über Hintergründe.

Von Kai Hasse

Bei diesem Online-Bericht handelt es sich um eine gek ürzte und verdichtete Fassung des Zeitungsartikels. Hintergründe, weitere Informationen sowie einen Kommentar lesen Sie in der Wochenendausgabe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare