Königsberg: Die Stadt will sich aus Uelzens ehemaligem Brennpunkt zurückziehen

Das Aus für den Kindertreff

Am vergangenen Freitag hat der Kindertreff am Königsberg ein Fußball-Turnier veranstaltet. Foto: Privat

Uelzen. Jahrelang war der Königsberg Uelzens Brennpunkt. Im kommenden Jahr soll dort der Kindertreff voraussichtlich geschlossen werden.

Parallel dazu wird die Lucas-Backmeister-Schule in Uelzens Zentrum zur offenen Grundschule und somit zur neuen Anlaufstelle umgebaut – doch an diesem Konzept gibt es Kritik.

60 bis 70 Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren besuchen die Betreuungseinrichtung am Königsberg, meistens sind es Hermann-Löns-Schüler, die in dem Stadtviertel wohnen. Von Montag bis Freitag nutzen etwa 30 von ihnen pro Tag das Angebot, davon sind 60 Prozent Jungen.

Ein neues Konzept der Stadtverwaltung sieht vor, für die Nachmittagsbetreuung von Grundschülern an der Lucas-Backmeister-Schule pädagogische Mitarbeiter der Stadt Uelzen einzusetzen sowie Ehrenamtliche und Honorarkräfte zu engagieren. „Die Verlässlichkeit der Nachmittagsbetreuung kann aber letzten Endes nur durch Hauptamtliche gesichert werden“, erklärt Pressesprecherin Ute Krüger. „Dafür muss die Stadt Uelzen auf Personal zurückgreifen, das bisher an anderer Stelle eingesetzt ist.“

Der Kindertreff am Königsberg wird von der Stadt Uelzen getragen. Nach dem aktuellen Entwurf soll er in die Grundschule verlagert werden, sodass im Anschluss an die Ganztagsbetreuung von Lucas-Backmeister-Schülern auch andere Uelzener Kinder dort betreut werden können. „Dann ist es das Aus für den Kindertreff, das ist Wahnsinn“, befürchtet Karl-Heinrich Albers, der als Sozialarbeiter der Gesellschaft für Wohnungsbau des Kreises Uelzen (gwk) viele der Familien am Königsberg persönlich kennt. Er hat die Einrichtung des Kindertreffs vor 19 Jahren mit vorangetrieben. „Ich weiß, wie schwer es ist, Kinder in dem Alter in einen anderen Stadtteil, zum Beispiel ins Jugendzentrum mitzunehmen.“ Der Nachwuchs sei nicht so leicht aus einem Stadtteil herauszulösen. Die Eltern am Königsberg hätten ihm gegenüber bereits ihre Angst vor einer Schließung der Einrichtung geäußert.

Die Stadt Uelzen möchte künftig eine Betreuungsmöglichkeit für alle Uelzener Kinder an einem zentralen Ort anbieten. Der Königsberg sei nicht mehr der soziale Brennpunkt Uelzens, der er zum Zeitpunkt der Einrichtung vor 19 Jahren war, erläutert Krüger die Gründe fürs Konzept. „Das ist völlig richtig, die Arbeit im Kindertreff hat sich auch bewährt“, weiß Albers, „sie wirkt vielleicht noch nach, aber dann haben wir wieder die Situation, wie sie vor 20 Jahren war.“ Für ihn ist der Betreuungsstandort am Königsberg eine „fast 20-jährige Erfolgsgeschichte“. Es gebe keine Jugendarbeitslosigkeit in dem Viertel und „wir haben das Thema Komasaufen dort nicht“, so Albers. Aber wenn in den Sommerferien der Kindertreff 14 Tage lang nicht geöffnet habe, müsse er am meisten Überstunden leisten. „Die Kinder wissen nicht, was sie tun sollen und machen dann Unsinn“, sagt er.

Die Backmeister-Schule soll auf Antrag des Schulausschusses zum Schuljahr 2012/2013 eine Nachmittagsbetreuung garantieren. Das würde auch die Schließung der Einrichtung am Königsberg bis zum Sommer 2012 bedeuten. Über das Konzept der Stadtverwaltung werden der Schul- und der Kinder- und Jugendausschuss sowie der Verwaltungsausschuss nach der Kommunalwahl entscheiden.

Von Diane Baatani

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