„Wie ein heilsames Medikament“

Kinder aus Gomel fühlen sich im Landkreis Uelzen „einfach wohl“

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Elena, Leonid und Swetlana betreuen die Kinder aus Weißrussland. Die Ferien im Landkreis wirken „wie ein heilsames Medikament auf die Gesundheit“, sagt Swetlana.

Molzen – Tschernobyl ist schon so lange her und darf doch nicht vergessen werden. Das ganze Ausmaß der gesundheitlichen Folgen des Reaktorunfalls ist bis heute nicht zu überblicken, dazu fehlt es an Erfahrungsmustern.

Die vor mehr als drei Jahrzehnten freigesetzte Radioaktivität hat in den immer noch stark verstrahlten Landstrichen im Südosten Weißrusslands vermehrt Krebs- und Bluterkrankungen hervorgerufen und wird wohl auch auf lange Zeit hinaus menschliches Erbgut schädigen, was zu immer weiteren Erkrankungen gerade bei Kindern führen wird.

Hilfe ist also weiterhin notwendig. Der Gomel-Ausschuss des Kirchenkreises Uelzen unterstützt aktuell wieder durch seine jährliche Ferienaktion und hat dazu Kinder aus dem Gebiet Gomel zu einem vierwöchigen Aufenthalt in den Landkreis eingeladen. Zusammen mit zwei Betreuern und einer Ärztin verbringen die Kinder unbeschwerte Tage im Molzener Jugenddorf.

Swetlana Chodulewa ist Ärztin in Gomel und hat schon häufiger Kinder aus ihrer Stadt nach Deutschland begleitet. Gänzlich überstanden haben die Jungen und Mädchen ihre Krankheiten noch nicht, ihr Immunsystem ist noch geschwächt. „Aber sie sind nicht mehr akut erkrankt und dürfen schon längere Reisen unternehmen, sind nicht mehr an das Krankenhaus gebunden“, erzählt Chodulewa. „Eine ständige medizinische Kontrolle ist hier auch nicht mehr notwendig.“

Die Bewegung an der frischen und unverstrahlten Luft und die ausgewogene Ernährung tun den Kindern gut. „Das wirkt wie ein heilsames Medikament auf die Gesundheit der Kinder“, ist sich die Ärztin sicher.

Mitglieder und Freunde des Gomel-Ausschusses haben ein vielfältiges Programm für die jungen Weißrussen auf die Beine gestellt, unterstützt von Firmen, Vereinen und Einrichtungen, von Gastronomie und vielen Spendern. „Die Kinder erleben eine ganz andere Kultur, schließen neue Freundschaften und fühlen sich hier einfach wohl“, vergisst Betreuerin und Dolmetscherin Elena Narbut auch den sozialen Aspekt nicht. „Jeder Tag ist mit viel Lachen und Freude verbunden.“

Mit Fahrrädern sind sie viel unterwegs, unternehmen kleinere Touren in die nähere Umgebung oder in die Hansestadt Uelzen. Betreuer Leonid Shubenok spielt mit den Kindern Fußball und sorgt dafür, dass auch der letzte Langschläfer morgens pünktlich um 8.30 Uhr am Frühstückstisch sitzt. „Alle Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen und das weitere Programm abgesprochen."

Die Kinder aus Gomel sind viel mit dem Fahrrad unterwegs und unternehmen kleinere Touren. Fotos: bleuel

Doch bald heißt es, Abschied zu nehmen, „Do swidanja“ zu sagen, denn am 1. August werden die Kinder von Hannover aus wieder in ihre Heimat fliegen.

VON ULRICH BLEUEL

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