Frank-Peter Schultz setzt mit Bikern Zeichen gegen Rechts

170 Kilometer für mehr Toleranz

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Sie kommen in Scharen, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen: Motorradfreunde aus dem Norden werden sich am Sonntag wieder zu einer Sternfahrt aufmachen.

Uelzen-Oldenstadt. Am Sonntag wird sich Frank-Peter Schultz auf sein Motorrad schwingen – eigentlich nichts Ungewöhnliches, ist der Pfarrer der Gemeinde Oldenstadt-Groß Liedern schon seit seinem 16. Lebensjahr mit zweirädrigen Maschinen unterwegs.

Der Anlass macht diese Ausfahrt dann doch zu etwas Besonderem.

Schultz macht sich auf den Weg zu einer Sternfahrt nach Ludwigslust. Motorradfans aus dem Norden werden in die mecklenburgische Stadt kommen, um Flagge gegen Rechtsextremismus zu zeigen. Wann immer er kann, beteiligt sich Schultz an solchen Aktionen, weil – wie er sagt – die Menschen für Demokratie und Toleranz einstehen sollten. Das sei auch eine Aufgabe der Kirche. Bei sich zu Hause hat er Flyer liegen mit „10 Thesen von Christen gegen Rechtsextremismus“: „Die Schöpfung ist reich und bunt – Rechtsextremismus klassifiziert Menschen, Völker und Kulturen und schreckt vor Abwertung nicht zurück“, heißt es unter anderem auf den Flyern.

Die Ausfahrt am Sonntag –einen Tag nach dem offiziellen Kriegsende vor 70 Jahren und in Zeiten eines Auschwitzprozesses – wird vom Landkreis Ludwigslust-Parchim organisiert. Etwa 170 Kilometer wird der Rundkurs nach Wöbbelin, Schwerin, Zarrentin, Wittenburg und Hagenow führen. Es ist die mittlerweile 15. Ausfahrt, weiß Schultz. Ins Leben gerufen worden sei sie, als im mecklenburgischen Landkreis Rechtsextreme versuchten, zunehmend Fuß zu fassen. Mit der Bikertour fahren die Teilnehmer alljährlich gegen Intoleranz an.

Die Motorradfreunde zeigen Gesicht und lassen die Motoren brummen, wo es nicht still sein darf nach Auffassung von Schultz. Die Aussage, dass man gegen Rechts nichts tun könne, lasse er nicht gelten. „Man sollte sich gedanklich mit dem Thema auseinandersetzen. Sich nicht ergeben oder mundtot machen lassen, sondern sollte seine Meinung kundtun“, sagt der 58-Jährige.

Frank-Peter Schultz hat sich dies auf die Fahne geschrieben. Sein Großvater war schon Pfarrer und gehörte der Bekennden Kirche an, die gegen Hitler aufbegehrte. Schultz selbst begleitet das Thema auch schon seit Längerem. Bevor er im vergangenen Herbst die Pfarrstelle von Oldenstadt-Groß Liedern übernahm, betreute er eine Gemeinde in Nienburg an der Weser. Nicht allzu weit entfernt im Norden liegt der sogenannte Heisenhof bei Dörverden. Als die Befürchtung bestand, dass Rechtsextreme dort ein Quartier aufbauen, demonstrierten Bürgerinitiativen und Einwohner. Unter ihnen war auch Schultz. Die Gesellschaft sollte seine Werte gemeinschaftlich verteidigen, sagt er. Deshalb würde sich Schultz freuen, wenn noch mehr aus der Region sich auf den Weg nach Ludwigslust machen.

Von Norman Reuter

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