Routine in Munster: Die Zerstörung von Chemiewaffen

728 Kilo Kampfmittel jährlich

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Ein Feuerwerker der Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten in Munster nimmt eine Dummy-Granate aus einem Transportbehälter. Bis Mitte des Jahres sollen dort syrische Chemiewaffen vernichtet werden.

Munster. Die Zerstörung von Chemiewaffen ist für die Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten (GEKA) in Munster im benachbarten Heidekreis Routine.

Wenn die GEKA, wie von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gestern in Berlin bekannt gegeben, die Entsorgung von syrischen Chemiewaffen übernimmt, ist es eine Seltenheit, dass Waffen aus dem Ausland dort vernichtet werden, erklärt auf AZ-Nachfrage Dr. Jan Gerhard, Sprecher der Geschäftsführung und Kaufmännischer Geschäftsführer. Denn das Chemiewaffenübereinkommen besage, dass jedes Land seine Chemiewaffen selbst entsorgen müsse. Die Vernichtung dieser Stoffe sei jedoch für die rund 140 Mitarbeiter, die zum Teil auch aus dem Landkreis Uelzen kommen und dort in Tag- und Nachtschichten tätig sind, Alltag.

Kampfstoffe wie Senfgas, das auch als Lost bezeichnet wird, werden voraussichtlich auf einen amerikanischen Tanker gebracht, wo sie hydrolisiert werden, erläutert Gerhard. Durch den Prozess entstehe zwar eine zehnfache Menge, die jedoch deutlich weniger giftig sei als zuvor. Diese Reststoffe, das Hydrolysat, müsse schließlich umweltgerecht entsorgt werden und dazu könnte es nach aktueller Planung nach Munster gebracht werden.

In einem der drei Entsorgungsöfen vor Ort werden die Stoffe verbrannt. Bei der chemischen Zersetzung entwickelt sich Rauchgas, so Gerhard, das anschließend gewaschen und – sobald es unter die für Deutschland geltenden Grenzwerte fällt, die vom Gewerbeaufsichtsamt in Celle überprüft werden – freigelassen werde. „Bei der chemischen Zersetzung entstehen ungefährliche Salze, die wir dann deponieren“, erklärt der Geschäftsführer. Diese werden dann in Untertagedeponien transportiert. „Diese Salze fallen bei uns ständig an.“

Gesellschafter der GEKA ist das Bundesministerium für Verteidigung. Die Gesellschaft in Munster ist das einzige Unternehmen, das chemische Munition vernichten darf. 50 bis 80 Mal pro Jahr werden der GEKA Kampfmittel-Funde zur Entsorgung geliefert, so Gerhard. Im Jahr 2012 wurden bei der GEKA unter anderem 728 Kilogramm konzentrierte Reiz- und Kampfstoffe, über 56 000 Kilogramm kontaminierte Arbeitsmittel, über 30 000 Kilogramm Munitionsschrott und knapp 15 000 Kilogramm kontaminiertes Erdreich entsorgt. Zudem wurden im Sprengofen 7404 Kilogramm chemische Munition vernichtet.

Von Diane Baatani

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