Tagesschau-Moderatorin gibt Denkanstöße zu einer Welt im Wandel

Kenia und das Glasfasernetz

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Kristina zur Mühlen diplomierte auf dem Gebiet der Laserphysik und ist eine bekannte TV-Moderatorin.

Uelzen – „In Afrika haben 600 Millionen Menschen keinen Strom, aber ein Handy“ sagt Kristina zur Mühlen am Dienstagabend auf der Hinterbühne des Theaters an der Ilmenau in Uelzen. 160 Stühle stehen dort, alle sind besetzt.

Die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) hatte eingeladen, und aus dem ganzen großen Kammerbezirk sind Interessierte angereist, um die Physikerin, Journalistin und Moderatorin von Wissenschaftssendungen Kristina zur Mühlen zum Thema „In welcher Zukunft wollt ihr leben?“ zu hören.

Einleitenden Worten, in denen sich Andreas Kirschenmann, der neue IHK-Präsident, vorstellt, Hubertus Kobernuß als Vizepräsident seine Zukunftswünsche äußert und Landrat Dr. Heiko Blume seinen Landkreis als idealen Wohn- und Arbeitsort anpreist, folgt die Hauptreferentin. Sie startet mit einem Video, dass sie drei Jahre zuvor aufgenommen hat und die Fahrt in einem (geliehenen) E-Auto zu ihrer Wohnung zeigt. Sie ist begeistert von dieser Ruhe, die mit diesem Fahrzeug einhergeht und fragt provokant „Ein Porsche ohne Sound?“

„Neues hat schon immer das Alte verdrängt, Veränderungen gehören zum Leben dazu“ sagt sie, zugleich attestiert sie den Deutschen „Wir sind ein Land der Zögerer, der Zauderer, der Bedenkenträger.“ Fantasie schafft Visionen, Visionen aber brauchen Mut. Als Beispiel nennt sie den großen Erfinder Thomas Alva Edison, der sich 1880 die Glühlampe patentieren ließ, als es noch kein flächendeckendes Stromnetz gab – das schuf Edison mit etlichen eigens für diesen Zweck gegründeten Unternehmen binnen kürzester Zeit und wurde damit reich. In Deutschland hingegen vergingen für die Elektrifizierung 60 Jahre.

„Und was passiert jetzt hier mit dem Glasfasernetz?,“ fragt zur Mühlen, um gleich anzufügen, dass Kenia seit dem Anschluss an diese superschnellen Datenkabel eine Paraderolle im E-Commerce des „Schwarzen Kontinents“ einnimmt. Weltweit berühmt geworden ist Kenia mit der Erfindung von „M-Pesa“, einem System des „Mobile Banking“, bei dem Bankgeschäfte über Handy per SMS getätigt werden.

Natürlich darf in diesem Zusammenhang auch nicht Jack Ma fehlen, Multimilliardär und charismatischer Gründer der chinesischen Internet-Plattform Alibaba. Kristina zur Mühlen hebt die fünf Leitlinien des Jack Ma hervor: Werte, Überzeugung, unabhängiges Denken, Teamwork und Mitgefühl. Nur durch unabhängiges Denken sei es beispielsweise möglich gewesen, dass in der koreanischen Hauptstadt Seoul binnen zweier Jahre eine viel befahrene Stadtautobahn zurückgebaut werden konnte, dass jetzt der damals überbaute Fluss Cheonggyecheon wieder durch eine Grünzone fließen kann – Lebenswertgefühl pur. Noch viele weitere Beispiele für ungewöhnliche Gedankengänge und ihre Umsetzungen nennt zur Mühlen, bevor sie ihre Zuhörer zu Häppchen und Getränken entlässt. Es ist ein ermutigender Abend voller Ideen, der nachdenklich macht.

VON FOLKERT FRELS

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