Infoabende zur Integrierten Gesamtschule: Schulausschuss streitet über Neutralität der Stadt

„Keine Wahlveranstaltung für IGS“

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Wohin führt der Weg der Theodor-Heuss-Realschule? In das Gebäude könnte zum Schuljahr 2012/13 die fünfte Klasse der neuen Integrierten Gesamtschule einziehen. Über die geplanten Informationsabende gab es jetzt eine Kontroverse im Schulausschuss.

Uelzen. Ist der Ratssaal im Uelzener Rathaus ein geeigneter Ort für die beiden Informationsveranstaltungen der Stadt zur möglichen Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS)?

Und welche Referenten sollen dort über diese neue Schulform berichten, die ab dem Sommer 2012 ins Gebäude der Theodor-Heuss-Realschule einziehen könnte? Darüber stritten die Vertreter der beiden großen Fraktionen am Montagabend im Schulausschuss – und dabei fielen deutliche Worte. So befürchtete Ausschussvorsitzender Henning Gröfke (CDU), dass die Stadtverwaltung bei den Informationsabenden am 16. und 23. Mai einseitige Werbung für die IGS betreiben werde. „Nur einen IGS-Vertreter als Referenten einzuladen, das ist nicht neutral“, kritisierte er. Darüber hinaus sei der Ratssaal kein neutraler Ort für eine solche Veranstaltung. Viel besser dafür geeignet wäre nach Ansicht von Gröfke die Uelzener Stadthalle. Das weckte den Zorn bei Ausschussmitglied Jörg Kramer (SPD). Gröfkes Kritik sei „ziemlich unverschämt“, sagte er. Sein Eindruck sei, dass die CDU-Fraktion gar keine Elternbefragung zur IGS-Gründung wünsche und deshalb versuche, das Verfahren so aufwändig und kompliziert wie möglich zu machen. Erster Stadtrat Jürgen Markwardt trat Spekulationen entgegen, dass die Stadt versuche, Stimmung für die Einrichtung einer IGS zu machen. „Wir wünschen uns eine auf Neutralität und Ausgewogenheit basierende Infoveranstaltung. Wir führen hier keine IGS-Wahlveranstaltung durch“, bekräftigte er. Im Übrigen gebe es keinen geeigneteren Ort als den Ratssaal. „Die Stadthalle ist weitaus weniger neutral“, meinte Markwardt. Außerdem werde auf den beiden Infoabenden nicht ausschließlich über die IGS, sondern auch über andere Schulformen berichtet, betonte der Erste Stadtrat. Er stieß damit bei Henning Gröfke auf Zustimmung, der eine ausführliche Vorstellung der neuen Oberschule für „absolut unverzichtbar“ hält. Als Referent für dieses Thema kann sich Markwardt einen Vertreter von Schulen aus dem Kreis Uelzen vorstellen, die demnächst in Oberschulen umgewandelt werden wollen. Über die Erfahrungen mit der Integrierten Gesamtschule soll der stellvertretende Schulleiter einer IGS aus Osterholz-Scharmbeck berichten. Den allgemeinen Einführungsteil des Infoabends würde Markwardt am liebsten von einem Mitarbeiter der Landesschulbehörde vortragen lassen. Doch diesem Wunsch erteilte Annegret Krause, Dezernentin in der Außenstelle Uelzen der Landesschulbehörde, eine Absage. Wegen des Umbaus der Behörde seien deren Mitarbeiter angehalten worden, nicht an Informationsverstaltungen teilzunehmen. „Das ist bedauerlich, aber die Ressourcen der Behörde reichen dafür nicht aus“, erläuterte Krause. Wer die Einführung in das Thema stattdessen übernehmen soll, will die Stadt noch entscheiden. „Das muss aus dem Hause der Verwaltung kommen“, forderte Gröfke.

Von Bernd Schossadowski

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