Positive Reaktionen auf Pflanzaktion / „Der Schandfleck muss weg“

Keine Spielwiese der Politik

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„Charmant, kreativ, moralisch gerechtfertigt“ – der Schuttberg als blühendes Ärgernis. Gleichzeitig fordern politische Vertreter die Verwaltungen von Stadt und Landkreis Uelzen auf, mit aller Konsequenz gegen den Eigentümer vorzugehen.

Uelzen. Er ist und bleibt ein Ärgernis – allerdings seit Sonntag ein blühendes. Die in Eigenregie von Bürgern organisierte Bepflanzung des seit 18 Monaten auf dem Gelände des ehemaligen Katasteramtes dahinvegetierenden Schuttberges ist von Vertretern aus Politik und Verwaltung begrüßt worden.

„Die Kreativität ist bewundernswert“, lobte Uelzens Baudezernent Karsten Scheele-Krogull. Allerdings erteilte er dem Wunsch der Bürger, die gepflanzten Stiefmütterchen zu wässern, eine Absage: „Da kann die Stadt nicht tätig werden.“ In dem Zusammenhang gab Scheele-Krogull zu bedenken, dass die bürgerliche Bepflanzung auf fremdem Grund und Boden „rechtlich grenzwertig“ sei. Dies trifft zweifellos auch auf das Verhalten des Eigentümers Jörg Steffen zu, der bisher weder – wie vom Landkreis angeordnet – den mit Blei, Asbest und Schimmel verunreinigten Schuttberg mit einer Schutzplane abgedeckt noch ein verhängtes Zwangsgeld in Höhe von 1000 Euro bezahlt hat. Nach Informationen der AZ laufen neben dem vom Landkreis angestrengten Verwaltungsverfahren auch Aktivitäten im Hintergrund. So soll es ein Gesprächsangebot von Stadt und Landkreis an den Eigentümer geben. Und auch mit einem örtlichen Unternehmen aus der Baubranche sollen Chancen sondiert werden, wie der Schuttberg zeitnah beseitigt werden könnte.

„Definitiv – der Schandfleck muss weg. Das ist eine Posse, was hier abläuft“, fand gestern Uelzens CDU-Fraktionschef Stefan Hüdepohl deutliche Worte. Da die Politik keine Chance der Einflussnahme hätte, setze er darauf, dass Kreis- und Stadtverwaltung mit Nachdruck auf eine Beseitigung dieses Zustandes drängen. „Allerdings nicht auf Kosten der Stadt – die Kassen sind klamm und der Eigentümer würde sich ins Fäustchen lachen.“ Ähnlich argumentierte Ralf Munstermann, SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat: „Das ist keine Spielwiese für die Politik. Die Verwaltung muss mit all ihrer Macht handeln.“ Wobei sich Munstermann erfreut über den intensiven Bürgersinn zeigte. „Das beweise, wie sich die Leute für ihre Stadt einsetzen.“

Der Landkreis bezeichnete die Beflanzung als „charmant“ – unabhängig von einer rechtlichen Einschätzung der Aktion. Moralisch sei die Reaktion aus der Bevölkerung verständlich, erklärte Kreissprecher Martin Theine. Von einer Bewässerung der Stiefmütterchen werde der Kreis absehen, da gerade dies zu einer „Auswaschung der vorhandenen Stoffe führen kann“. Theine: „Wir treiben das Verwaltungsverfahren konseqent fort.“

Von Andreas Becker

Die Bilder der Aktion

Blumen für den Schuttberg

Kommentar

Image-Desaster

Andreas Becker

Da hat er recht, der CDU-Fraktionschef: „Das ist eine Posse“, beschreibt Stefan Hüdepohl die Geschehnisse rund um den Schuttberg am ehemaligen Katasteramt. Eine Posse, die die gesamte Stadt, das gesamte Stadtbild verschandelt. Was nützt es, wenn 95 Prozent der Grundstücksbesitzer ihr Eigentum pflegen, eine Minderheit aber an exponierter Stelle – am Eingangstor zur Stadt – einen Schrotthaufen hinterlässt? Getreu dem alten Spruch „Den ersten Eindruck kann man kein zweites Mal machen“ ist dieser mit Blei und Asbest versaute Schuttberg ein Image-Desaster für die Stadt. Und die (Kreis-) Verwaltung? Schmeißt mit weichen Wattebäuschen! 1000 Euro Zwangsgeld – lächerlich! Ermutigend, dass sich jetzt die Bürger rühren. Vielleicht können die in Gemeinschaftsarbeit noch viel mehr erreichen. Traut euch – überholt Verwaltung und Politik, macht sie (in dieser Posse) überflüssig.

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