Niels Odefey sucht nach neuem Gelände für seine Tiere / Ärger über Keime und ausbleibende Reaktion des Kreises

Keine Masthühner mehr in Mehre

Ein Herz für Hühner: Niels Odefey will nach Möglichkeit seine Hühner an anderer Stelle im Freien halten. Das Terrain dafür sollte zum Teil auch Waldflächen haben als Schutz der Hühner vor Greifvögeln. Foto: Nolting

Mehre. Es werden die letzten Hühner sein, die in diesen Tagen noch auf dem Hof von Niels Odefey in Mehre scharren und gackern.

„Die letzten 500 Hühner werden geschlachtet, dann ist hier mit den Tieren für den Verkauf Schluss“, sagt der „Gockelbauer“ aus Mehre mit voller Überzeugung.

Die Tiere, die er für die Star-Köchin Sarah Wiener züchtet – die Hühner legen Eier in den verschiedensten Farben – werden auf einem Naturland-Biohof bei Berlin unterkommen. „Das ist mir hier zu gefährlich“, sagt der Mehrer Hühnchenzüchter mit Blick in die landwirtschaftliche Nachbarschaft. Er stützt sich auf die Aussagen von Wissenschaftlern, die für ihn und auf seine Kosten den Hühnertrockenkot (HTK) in direkter Nachbarschaft untersucht haben (die AZ berichtete). Dort ließen sich resistente Keime nachweisen. Außerdem wird dort demnächste Mais angebaut. Hühner hält er sich dann nur noch für private Zwecke – zumindest in Mehre. „Ich bin auf der Suche nach einem geeigneten Gelände.“ Sein Blick geht in Richtung Osten. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg oder auch der Uelzener Ostkreis interessiert den Hühnerzüchter. Wichtig für ihn ist, dass das Gelände einen Anteil Wald- und Brachflächen hat. „Und es dürfen keine Pestizide drumherum gespritzt werden“, betont Odefey. Er habe schließlich keine Lust mehr, sich mit seinen 62 Jahren noch zu ärgern.

Geärgert hat er sich bereits zur Genüge: Über den Landkreis Uelzen, der in Person von Landrat Heiko Blume trotz eines persönlichen Gesprächs nicht reagiert habe. Was Odefey in erster Linie geärgert hat, ist die Tatsache, dass in seinen Augen der Bürger nicht für voll genommen wird. Gerade mit Blick auf die Proben aus dem HTK hat er eine Reaktion seitens des Landkreises erwartet. Reagiert hat allerdings eine andere Stelle: Landwirtschaftsminister Gert Lindemann. Der Minister schreibt, dass die Untere Wasserbehörde tätig geworden und die erforderlichen Maßnahmen getroffen worden seien. „Die von Ihnen vorgetragene Keimbelastung zu MRSA/ESBL (siehe blauer Kasten) ist nicht geeignet, eine ‘Verfügungssperre zur Ausbringung’ des Hühnertrockenkots nach der geltenen Rechtslage zu begründen“, heißt es in seinem Antwortschreiben.

In den Augen des Landwirtschaftsministers gäbe es derzeit keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass von dem HTK eine besondere Gefährdung ausgehe. Zum Schutzgegen resitente Keime seien allerdings dieselben Hygieneregeln zu beachten, die auch gegen andere vom Tier übertragbare Krankheitserreger gelten. Odefey sieht es jedoch anders und stützt sich auf Aussagen des Bundesinstitus für Risikobewertung (BfR). Dort steht beispielsweise, dass „ein Gesundheitsrisiko für den Menschen von ESBL-bildenen Bakterien aus der Tierhaltung ausgeht“. Das BfR hat weiterhin festgestellt, dass ESBL-bildene Bakterien in Nutztierbeständen nachgewiesen wurden und ihr Vorkommen zunimmt. Der Forschungsverbund Reset beschäftigt sich mit der Erforschung von Resistenzen gegen Antibiotika in einer Gruppe von Bakterien, den Enterobakterien. In ihren Forschungsergebnissen finden die Mitarbeiter in allen acht untersuchten Geflügelbeständen ESBL-Keime. Odefey weiß, warum: „Nicht alle Hähnchen nehmen die komplette und notwendige Menge Antibiotika auf und dann bilden sich resistente Keime bei den Tieren.“ Diese landen dann im Kot – und am Ende eben wieder in der direkten Nachbarschaft von Niels Odefey.

„Ich komme immer wieder klar“, sagt der Mehrer mit Blick auf seine Zukunft. So hält er nicht nur Masthähnchen, sondern baut auch mobile Hühnerställe, die er gewinnbringend verkauft. „Oder ich suche mir eine beratende Tätigkeit“, sagt Niels Odefey.

Von Jörn Nolting

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