Westerweyher wollen Integration – keine separaten Gräber

Keine „Extrawurst“ für Muslime

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Senay Celebi vom Landesverband der Muslime in Niedersachsen erklärte während der Infoveranstaltung, wie eine Bestattung nach islamischen Regeln abläuft und warum die Muslime auf dem Friedhof in Westerweyhe ein eigenes Gräberfeld möchten. 

Uelzen-Westerweyhe. „Zeigen Sie, dass Sie mit uns leben wollen – nicht neben uns“, fasst ein Bürger stellvertretend den Wunsch der großen Mehrheit zusammen. „Lassen Sie sich zwischen uns begraben.“

Muslime sind sowohl in Westerweyhe als auch auf dem örtlichen Friedhof willkommen. Das stellen die Westerweyher bei der Infoveranstaltung im Dorfkrug, zu der die Stadt Uelzen geladen hat, eindrucksvoll klar.

„Die Verstorbenen müssen bei der Beisetzung leicht gedreht werden, damit sie nach Mekka schauen“, entgegnet Senay Celebi vom Landesverband der Muslime in Niedersachsen. Sie betreibt mit ihrem Mann Yasin in Hannover ein muslimisches Bestattungsinstitut und war gekommen, um zu erklären, wie eine Beerdigung nach islamischen Regeln abläuft. Das sei auf den anderen Gräberfeldern aufgrund der Ausrichtung des Friedhofs nicht möglich. Darum wünschen sich die Muslime ein separates Gräberfeld.

Separat. Dieses Wort stößt den Westerweyhern unangenehm auf. „Ich sehe keine Integration, wenn wir für eine andere Religion etwas Separates schaffen“, erwidert Erika Haagel. Eine Beerdigung von Muslimen auf den anderen Grabfeldern sei trotz der Berücksichtigung der islamischen Regeln möglich. „Das ist eine Gestaltungsfrage.“ So könnten nach ihrer Meinung die Gräber der muslimischen Bürger in einem anderen Winkel ausgerichtet werden als die christlichen und konfessionslosen Ruhestätten.

Die muslimischen Vertreter räumen ein, dass aus Sicht ihres Glaubens diese Lösung generell denkbar wäre. „Niemand von uns hat gesagt, dass wir keine Kreuze sehen wollen“, betont Senay Celebi. Allerdings sei es wichtig, dass die unterschiedlichen Bestattungskulturen respektiert und nicht gestört werden. Aus diesem Grund bevorzuge man ein eigenes Gräberfeld. „So wie wir mit den verschiedenen Bestattungsarten den Bedürfnissen der Bürger nachkommen, wollen wir mit diesem Grabfeld dem Wunsch der Muslime Rechnung tragen“, erklärt Ute Krüger, Pressesprecherin der Stadt. „Es geht nicht darum, einen muslimischen Friedhof zu errichten, sondern nur ein weiteres Gräberfeld“, betont Christine Tietz vom Grünflächenamt.

Und die Muslime ergänzen, dass das Gräberfeld für jeden, egal welcher Glaubensrichtung er angehört, offenstehe. „Gehen Sie rein, gucken Sie sich es an, beten Sie ruhig für die Verstorbenen“, lädt Senay Celebi die Westerweyher ein.

Das ist aber nicht das, was die meisten Anwesenden wollen. „Auf dem Friedhof soll nicht jeder für sich sein“, sagt Elena Erhart-Villanueva. „Ich möchte dort mit anderen ins Gespräch kommen.“ Eine andere Frau wird deutlicher: „Wir können Ihnen hier keine ,Extrawurst’ braten. Sie müssen sich schon anpassen.“

Von Sandra Hackenberg

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