Keine Bärenmarke-Idylle

Thorsten Riggert wurde als Kreisvorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen gestern wiedergewählt. Foto: Ph. Schulze

Uelzen/Landkreis. Mit kämpferischen Tönen hat Thorsten Riggert als Kreisvorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen bei der gestrigen Kreisversammlung des Verbandes die Stärkung des ländlichen Raumes und der Landwirtschaft angemahnt. Riggert, der von der Versammlung wieder in seinem Amt bestätigt wurde, warf der Politik auf nahezu allen Ebenen eine „absolute Vollbremsung“ vor.

Der Sprecher der Landwirte beklagte in seiner Rede neben einem „Ausmaß an Bürokratie, woran der Mittelstand erstickt“ einen „Stimmenfang der Politik gegen die Landwirtschaft“. Gute Nahrungsmittel in höchster Qualität und zu jeder Zeit würden propagiert, den Landwirten andererseits Massentierhaltung und eine „ausgeräumte Landschaft“ vorgehalten, beklagte Riggert eine „Verzerrung“ des öffentlichen Bildes der Landwirtschaft.

Dabei habe die immer noch gerne gezeigte „Bärenmarke-Idylle“ mit der heutigen Realität nichts mehr gemein, wie Riggert betonte.

Der Bauernverband Nordostniedersachsen, der 3200 Mitglieder in den Landkreisen Uelzen, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg vertritt, werde hier konsequente Aufklärungsarbeit leisten, kündigte der Vorsitzende an. „Wir setzen auf Transparenz und wollen den Verbrauchern die Angst nehmen“, erläuterte Riggert. Mit neuen Aktionen wolle man etwa bei Schülern ein realistisches Bild der Branche in den Betrieben zeigen. Er appellierte daher an die Mitglieder, sich und ihre Höfe für derartige Aktionen zu öffnen. Das schließe den vor- und nachgelagerten Bereich in der Nahrungsmittelproduktion mit ein, warb er auch bei der Industrie für diese Richtung. Ohne Akzeptanz werde es keine moderne Landwirtschaft geben, bekräftigte der Vorsitzende.

Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte unterstützt den kämpferischen Kurs der Landwirte: „Es ist wichtig, dass sich unsere Region behauptet“, lobte er die Initiative des Bauernverbandes, dass sich die Agrarwirtschaft aus dem Nordosten Niedersachsens in diesem Jahr erstmals auf der Grünen Woche auf einem gemeinsamen Abend präsentiert hat: „Wenn es um Landwirtschaft in Niedersachsen geht, muss klar werden, dass es nicht nur das Oldenburger oder Münsterland gibt“, unterstrich der Abgeordnete.

Landrat Theodor Elster warb bei dem Berufsstand um Unterstützung für den Bau der Autobahn 39 als langfristiges Zukunftprojekt. „Es geht dabei nicht darum, dass wir die Welt schneller erreichen, sondern die Welt uns“, verwies Elster darauf, dass bei der Verbesserung der verkehrlichen Infrastruktur nicht eine Zeitersparnis von „von fünf bis zehn Minuten für die Fahrt in die Oper“ gehe, sondern insbesondere darum, dass die Produkte der Region schnell zu den Märkten gelangen und der Landkreis mit Wirtschaftsdrehkreuz Hamburg besser verbunden sein muss: „Für Hamburg gibt es nicht nur Uelzen, sondern einige Räume in der gleichen Qualität – mit denen konkurrieren wir.“

Von Marc Rath

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