Fragen und Antworten zum geplanten muslimischen Gräberfeld in Westerweyhe

„Kein Problem mit Kreuzen“

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Ein Teil des Westerweyher Friedhofes soll künftig auch ein muslimisches Gräberfeld sein. Fotos: dpa/nre/Stadt Uelzen

nre Uelzen-Westerweyhe. In Westerweyhe ist im Zuge einer Neugestaltung des dortigen Friedhofs geplant, auch ein Gräberfeld für Muslime anzulegen.

Für Muslime ist eine schnelle Beisetzung bedeutsam, deshalb wurde um ein Gräberfeld in Uelzen gebeten.

Die Stadt hat für Donnerstag, 16. November, einen Informationsabend zum Vorhaben angekündigt – auch weil erste Aussagen zum geplanten Gräberfeld Fragen aufgeworfen haben. Unter anderem steht die Aussage im Raum, dass Muslime auf dem Weg zu den Gräbern nicht mit christlichen Symbolen konfrontiert werden wollen. Der Bürgermeister von Westerweyhe, Karl-Heinz Günther, berichtet von „ganz viel Gesprächsbedarf“. Die wichtigsten Fragen und Antworten hat die AZ vorab zusammengestellt.

Warum soll im Stadtgebiet ein Gräberfeld für Muslime entstehen?

Mit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 ist die Zahl der Muslime im Landkreis Uelzen deutlich gestiegen. Sterben Muslime in der Region, werden sie zurzeit auf einem Gräberfeld in Gifhorn beigesetzt. Dort wurde im Sommer 2016 ein muslimisches Gräberfeld mit rund 120 Plätzen auf dem Gelände des Haupt-Friedhofes angelegt, wie Karsten Wolpers von der Friedhofsverwaltung berichtet. Gestern erfolgte in Gifhorn wieder eine muslimische Beisetzung. Für Muslime sei es bedeutsam, dass der Leichnam möglichst schnell beerdigt werde, sagt M. Emadalden Almnajd. Der Syrer hat in Uelzen die „Vereinigung der Flüchtlinge“ mit aufgebaut, die eine Moschee in der Stadt unterhält. Nachdem ein kleines muslimisches Mädchen in Uelzen gestorben sei, seien Mitglieder der Vereinigung auf die Stadt zugegangen mit der Bitte, dass auch in räumlicher Nähe ein Gräberfeld angelegt wird, so Almnajd.

Warum wurde das Friedhofsgelände Westerweyhe als Standort gewählt?

Der Friedhof in Westerweyhe verfüge über ausreichenden Platz für ein solches muslimisches Gräberfeld, erklärte jüngst Westerweyhes Bürgermeister Karl-Heinz Günter. Nach den derzeitigen Planungen soll es 80 bis 90 Plätze umfassen.

Wer wäre zuständig für das Gräberfeld?

Träger und Betreiber des Friedhofes Westerweyhe ist die Hansestadt Uelzen, sie wäre auch zuständig für das muslimische Gräberfeld.

Bei einem ersten Informationsabend sorgte die Aussage, dass Muslime bei Beisetzungen nicht mit dem christlichen Kreuz konfrontiert werden wollten, für Diskussionen. Ist die Aussage zutreffend?

Unter den Muslimen gibt es verschiedene Glaubensausrichtungen mit unterschiedlichen Auffassungen und Riten. Aleviten, Schiiten, Sunniten sind Beispiele. Wie Karsten Wolpers von der Gifhorner Friedhofsverwaltung erklärt, seien Aleviten vor dem Anlegen des Gräberfeldes auch auf dem eigentlichen Friedhof beigesetzt worden. M. Emadalden Almnajd von der Vereinigung der Flüchtlinge sagt, dass es „kein Problem“ sei, mit christlichen Symbolen konfrontiert zu werden. Es sei doch auch gestattet, einen Partner mit christlichen Glauben zu heiraten; wenn dieser sterbe, werde dieser christlich beigesetzt und ein Moslem werde dann am christlichen Grab trauern. Außerdem erinnert Almnajd daran, dass die Muslime in Uelzen vor dem Bezug ihrer Moscheeräume Gäste der evangelischen St.-Petri-Gemeinde waren. Dort nutzten sie das Gemeindehaus unmittelbar neben der Kirche für ihre Gebete. „Also warum sollten wir mit christlichen Symbolen Schwierigkeiten haben?“, fragt er.

Müssen, wie ebenfalls erklärt wurde, Muslime auf christlich ungeweihtem Boden beigesetzt werden?

Muslime sollen dort beigesetzt werden, wo keine sterblichen Überreste zu finden sind, erklärt Almnajd. In ihren Heimatländern dauere es aufgrund der klimatischen Verhältnisse und der Bodenbeschaffenheit lange, bis sich der Körper zersetze. Deshalb sei es dort üblich, dass stets neue Plätze für Beisetzungen gesucht werden. Ein Gräberfeld könne aber grundsätzlich dort entstehen, wo einst eine Stadt oder ein Friedhof angelegt war, wenn dort keine sterblichen Überreste mehr zu finden seien.

Wie unterscheiden sich muslimische Beisetzungen von christlichen?

Bei verstorbenen Muslimen kommt es zu einer rituellen Waschung, der Leichnam wird in weiße Gewänder gehüllt und wie Almnajd schildert, mit dem Gesicht in Richtung Mekka beerdigt. Von Beisetzungen in Gifhorn weiß die Friedhofsverwaltung zu berichten, dass Angehörige den Wunsch äußerten, den Verstorbenen zu Grabe zu tragen und auch selbst die Grabstelle mit Erde zu schließen.

Was würde ein muslimisches Begräbnis in Westerweyhe kosten?

Die Gebühren für das Nutzungsrecht und für die Beisetzung in einem muslimischen Grabfeld müssen noch ermittelt werden, erklärt die Stadt Uelzen.

Werden bei der Informationsveranstaltung auch Muslime über die Bestattungskultur berichten?

Es ist geplant, dass Vertreter muslimischen Glaubens über ihre Bestattungskultur berichten und aufklären, um entstandene Fragen qualifiziert zu beantworten. Endgültige Absprachen stehen aber noch aus, so die Stadt Uelzen.

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