Brutzeln, bauen, bügeln bei 35 Grad / Leitstelle hat Waldbrandgefahr im Blick

Kein Pardon bei heißen Jobs

Nicht nur die Menschen haben bei den Temperaturen Durst – auch die Pflanzen brauchen Wasser. Foto: Ph. Schulze

Uelzen/Landkreis. „Das Schwitzen ist ja gar nicht mal so schlimm – aber der Kreislauf . . . “ Jürgen Ebel weiß, wovon er spricht.

Denn Ebel ist Geschäftsführer einer gleichnamigen Wäscherei und Textilpflege in Bienenbüttel und kämpft gemeinsam mit seinen Mitarbeitern dieser Tage mit der enormen Hitze.

Die besten Plätze sind jetzt im Kühlen, doch nicht jeder kann sich an ein schattiges Plätzchen zurückziehen.

Während draußen in der Sonne locker 35 Grad erreicht werden, dass einem der Schweiß in kleinen Bahnen den Rücken hinunter rinnt und man sich von einem schattigen Plätzchen zum nächsten rettet, gibt es für Jürgen Ebel und seine Mitarbeiter, aber auch für viele Arbeitnehmer in anderen „heißen Jobs“ kein Pardon. Zwischen 40 und 45 Grad herrschten derzeit in der Wäscherei, sagt der Bienenbütteler. „Vor allem der Dampf, der beim Bügeln entsteht, sorgt für die große Hitze“, erklärt Ebel. Zwar sei man hohe Temperaturen in diesem Job schon gewohnt, aber bei solchen Extremen lasse man die Arbeit eben ein wenig langsamer angehen und lege einmal öfter eine Pause ein. „Mittags gibt’s dann ein Eis“, lacht Ebel, „und dann geht das wieder.“

In der Einsatzleitstelle des Landkreises Uelzen unterdessen hat man noch keine Häufung von Einsätzen mit hitzebedingten Kreislaufbeschwerden registriert, heißt es auf AZ-Nachfrage. Hier sei man zurzeit vor allem für die Waldbrand-Problematik sensibilisiert. Denn wie berichtet, herrscht seit einigen Tagen mit Stufe 4 die zweithöchste Waldbrandwarnstufe im Landkreis Uelzen.

Dass erst gar nicht der Kreislauf schlapp macht, darauf achten die Bauarbeiter, die im Freien der Sonne ausgesetzt sind und dabei schwere körperliche Arbeit verrichten müssen. An der neuen Greyerbrücke steht zwei Männern, die die Verschalung vom Brückenkopf entfernen, gestern Vormittag schon der Schweiß auf der Stirn. Sie haben eine halbe Stunde eher als sonst, um 6.30 Uhr, mit der Arbeit begonnen, um nicht bis in den Nachmittag hinein in der Hitze malochen zu müssen. „Mit den geänderten Arbeitszeiten können wir das Ganze etwas regulieren“, erklärt der für die Baustelle verantwortliche Polier Egon Schwartz. Gestern konnte auch auf andere Weise etwas Linderung gegen die Hitze verschafft werden. Weil die Brücke nun fertig gegossen ist, muss auch die Verschalung unter dem Bauwerk abgenommen werden – ein begehrter Arbeitsplatz im Schatten. Grundsätzlich werde den Mitarbeitern überdurchschnittlich viel zu trinken angeboten, so Egon Schwartz. Was die Bekleidung betreffe, habe jeder so sein Rezept. Er setze auf mehr Bekleidung, sagt der Polier, so komme die Sonne gar nicht erst bis zur Haut.

Berufsbedingt langärmelige Oberbekleidung und lange Hosen muss Birgit Luhmann tragen. Die Köchin im Braunschweiger Hof in Bad Bodenteich steht sechs Stunden und länger täglich am Herd, brutzelt und brät. Jeden Gang zum Kühlhaus gehe sie mit Freude, sagt sie. Ansonsten lasse es sich mit schöner Musik auch bei Hitze gut in der Küche aushalten. „Dann passt die Stimmung.“

Von Norman Reuter und Ines Bräutigam

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