Betrieb der Uelzener Jugendherberge ruht

Es fehlen die Klassenfahrten: Kein Kinderlachen am Fischerhof

Daniela und Jens Ernst betreuen seit 2003 die Jugendherberge am Fischerhof in Uelzen. Seit Mitte März ruht coronabedingt der Betrieb. Im großen Speisesaal stehen die Stühle auf den Tischen.
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Daniela und Jens Ernst betreuen seit 2003 die Jugendherberge am Fischerhof in Uelzen. Seit Mitte März ruht coronabedingt der Betrieb. Im großen Speisesaal stehen die Stühle auf den Tischen. 

Uelzen – Es ist still geworden. Kein Kinderlachen ist in der Uelzener Jugendherberge am Fischerhof zu hören. Niemand saust durch die Flure. Im großen Speisesaal sind die Stühle auf die Tische gestellt. Seit Mitte März hat sich an diesem Bild nichts mehr verändert.

Es ruht der Betrieb. Eine Folge der Corona-Pandemie. Der Herbergsvater Jens Ernst sagt: „Eine vergleichbare Situation hat es noch nicht gegeben. “.

Miriam Müller, DJH-Sprecherin

Das Haus gehört zu 23 Jugendherbergen in Niedersachsen, die vom Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) betrieben werden. Jens Ernst und seine Frau Daniela betreuen seit 2003 das Haus, das 161 Betten zählt. Es liegt nicht in Zentrum Uelzens, sondern im Stadtwald – wurde damit bisher vor allem als Herberge für Gruppen genutzt, die vor Ort miteinander arbeiten wollten. Daniela Ernst berichtet, dass die Herberge vorwiegend für Klassenfahrten gebucht worden sei. „Hauptsächlich fünfte und sechste Klassen kamen“, erklärt Daniela Ernst.

Über die Jahre gesehen waren die Besucherzahlen gestiegen, wie Jens Ernst berichtet. „Das hat sich positiv entwickelt“, sagt er. Mit der Corona-Pandemie kam die Vollbremsung.

Am Freitag, 13. März, reisten die letzten Besucher ab, die für das Wochenende angekündigten neuen Gäste kamen erst gar nicht mehr. „Wir hatten für 1000 Übernachtungen eingekauft“, so Jens Ernst.

Das Schicksal der Uelzener Herberge teilen auch andere Häuser im DJH. Sprecherin Miriam Müller sagt zu den Perspektiven: „Wir gehen aktuell davon aus, dass bis März 2021 keine oder nur wenige Klassenfahrten stattfinden werden. Das ist schon existenzbedrohend.“

Das DJH hat eine Service-Hotline geschaltet – an die sich Menschen mit Fragen und Buchungswünschen wenden können. Man agiere flexibel. Beispielsweise seien zu Pfingsten Häuser kurzfristig geöffnet und danach wieder in den Schlaf versetzt worden – um den Nachfragen für Übernachtungen an den Feiertagen gerecht zu werden.

Wie Sprecherin Miriam Müller sagt, sei es das Ziel des DJH, die Herberge in Uelzen weiter zu betreiben. „Aber es muss auch die Liquidität gegeben sein.“ Das Ehepaar Ernst und die weiteren sechs Mitarbeiter des Hauses befinden sich zurzeit in Kurzarbeit. Ein Hygienekonzept für eine Wiedereröffnung liegt vor, kann nach den Worten von Jens Ernst schnell umgesetzt werden. Wann tatsächlich der Betrieb wieder aufgenommen wird, machen das DJH und das Ehepaar von der Zahl der Buchungsanfragen abhängig. „Momentan rechnet es sich nicht“, so Dennis Ernst.

VON NORMAN REUTER

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