Kein Greta-Effekt beim Urlaub

Klimadebatte hat kaum Auswirkungen auf Reiseverhalten der Uelzener

Große Kreuzfahrtschiffe stehen immer wieder wegen schlechter Klimabilanzen in der Kritik. Der Beliebtheit bei Urlaubern tut dies laut Uelzener Reisebüros kaum einen Abbruch.
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Große Kreuzfahrtschiffe stehen immer wieder wegen schlechter Klimabilanzen in der Kritik. Der Beliebtheit bei Urlaubern tut dies laut Uelzener Reisebüros kaum einen Abbruch.

Uelzen – Mit einem Umsatzplus von zwei Prozent konnte die Reisebranche eine positive Bilanz zum Jahr 2019 ziehen.

Trotz Klimadebatte und Fridays-for-Future-Protesten war wenig vom sogenannten Greta-Effekt zu spüren, der nach der schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg benannt wurde. Auch die Reisebüros in Uelzen erkennen keine klaren Auswirkungen der Klimadebatte auf das Reiseverhalten der Bürger.

Die Kunden seien für das Thema sensibilisiert, sagt etwa Silke Berger vom Reiseteam Timm. Dennoch seien Flugreisen oder Kreuzfahrten noch immer sehr gefragt. „Natürlich ist es logisch, dass man mehr darüber nachdenkt“, so Berger gegenüber der AZ. Aber: „Urlaub ist immer noch ein wertvolles Gut“ und sei daher für viele „sehr, sehr wichtig“.

Berger weist außerdem darauf hin, dass ein umweltbewussteres Denken bei den Reiseveranstaltern angekommen sei. Viele würden etwa einen CO2-Kompensationsbetrag für Klimaschutzprojekte anbieten, den die Kunden dazubuchen könnten.

Von solchen Angeboten weiß auch Silja Eichmann-Bartels vom First Reisebüro zu berichten. So gebe es Anbieter, die 70 Prozent des Reisepreises unter anderem für den Erhalt des Regenwaldes in Ecuador einsetzen würden – und das schon lange bevor, der Klimawandel in aller Munde gewesen sei.

Eichmann-Bartels, die ebenfalls keine gesunkene Nachfrage nach Reisen erkennen kann, weist zudem auf die verschiedenen Blickwinkel auf den Tourismus hin: „Man muss ja auch bedenken, dass Tourismus schon immer ein bisschen Entwicklungshilfe war.“ Viele Länder würden manche Dinge wie ins Meer geleitete Abwässer erst ändern, weil Touristen explizit darauf hinwiesen. Darüber hinaus verweist sie darauf, dass es sich nur bei zwei Prozent aller Schiffe auf den Meeren um Kreuzfahrtschiffe handle, jedoch auch die restlichen 98 Prozent in den Blick genommen werden müssten. „Ich möchte nichts verharmlosen“, betont Eichmann-Bartels, „sondern nur ein Bewusstsein dafür schaffen.“

Nina Eckhardt von der Uelzener Ferienwelt weist außerdem darauf hin, dass auch die Kreuzfahrtschiffe immer klimafreundlicher würden. Beispielsweise würden die Reedereien vermehrt darauf achten, dass der emissionsärmere Treibstoff LNG eingesetzt werde, bei dem es sich um verflüssigtes Erdgas handele. Zudem würde man Kunden bei entsprechenden Wünschen stets auf nachhaltige Angebote hinweisen. Eine große Nachfrage hiernach bestehe aber nicht.

Insgesamt berichten die Reisebüros von Frühbucherrabatten, die weiterhin gut angenommen würden. Zwar würden Reisende vermehrt auf Bahn statt Auto zurückgreifen, jedoch seien auch Flugreisen nach Spanien oder Griechenland noch immer gefragt.

VON DANIEL BIELING

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