Kaum Kritik an Zensus

Rund 80 bis 85 Prozent der Einwohner füllen den Fragebogen zusammen mit den geschulten Interviewern aus. Und das dauert meistens nur von fünf bis zehn Minuten, sagt ein Erhebungsbeauftragter aus Uelzen. Foto: dpa

Uelzen. Knapp 90 Personen sind seit anderthalb Wochen im Landkreis Uelzen zur Volkszählung unterwegs. Sie befragen die Bürger grundsätzlich in einem Gebiet, in dem sie selbst nicht wohnen. Ursprünglich hatte der Landkreis 200 Mitarbeiter damit beauftragen wollen, zu Beginn der Befragung waren noch über 100 Erhebungsbeauftragte im Kreis dabei.

„Wir haben viele Absagen gehabt“, erklärt Pressesprecher Martin Theine. Viele seien nach der Schulung nachträglich abgesprungen. Zur Begründung seien Erkrankungen angegeben worden oder einige hätten festgestellt, dass sie zu dieser Befragung „nicht imstande“ seien.

Der Zensus 2011 wurde zwar bereits im Vorfeld vielfach kritisiert, Uelzens Erhebungsbeauftragte stoßen wohl weniger auf Kritik. Das deutet zumindest Martin Lankau an, der die Erhebungsstelle Zensus 2011 Auf dem Rahlande leitet. „Die Erhebungsbeauftragten sind das ein und andere Mal auf Unverständnis gestoßen“, teilt er mit. Insgesamt habe es aber wenig Probleme gegeben. Hauptsächlich sei es „bislang so, dass die Leute mitarbeiten“, sagt Lankau. „Wir gehen davon aus, dass 80 bis 85 Prozent der Befragten die Fragebögen mit den Erhebungsbeauftragten ausfüllen.“

Das mache auch am meisten Sinn, erklärt ein Uelzener Zensus-Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Denn er wisse bereits, worauf geachtet werden muss und welche Antworten Pflicht sind. Er habe bislang 38 Personen in dem ihm zugewiesenen Stadtviertel befragt. „Es sind welche dabei, die darauf bestanden haben, den Bogen selbst auszufüllen und anschließend zuzuschicken“, sagt er. „Sie sind selber schuld, sie brauchen länger als ich, sie werden nicht in einer Viertelstunde fertig.“ Er selbst hat für die Befragung zunächst grundsätzlich rund 15 Minuten angesetzt. Meistens sei er aber bereits nach fünf bis zehn Minuten fertig.

Für jeden Termin erhält ein Erhebungsbeauftragter 7,50 Euro. Wenn die Personen das Formular selbst ausfüllen wollen, gibt es für die Zensus-Mitarbeiter nur 2,50 Euro.

„Es haben mir bislang alle bestätigt, dass es nichts gibt, was da so geheim sein soll“, sagt der Uelzener. „Wenn Sie ins Internet gehen, können Sie über viele sicher noch ganz andere Sachen erfahren, die viel weiter führen.“ Und die viel umstrittene Frage nach der Religionszugehörigkeit? Die Frage danach, welcher Religion der Bürger sich zugezogen fühle, sei die einzige, die nicht beantwortet werden müsse, betont er.

Bislang habe der Erhebungsbeauftragte nur einen Uelzener mehrmals trotz Anmeldung nicht antreffen können. Und kuriose Situationen gibt es dann doch gelegentlich. So habe er ein Haus mit der Nummer 8A gesucht, das gar nicht existiert. „Da haben die Leute, die an der Straßenecke wohnen, nur gelacht. Die Nummer 8A hat es an der Straße nie gegeben.“ Oder in einem anderen Haus in Uelzen seien drei Mieter angegeben – „obwohl dort nie Leute drin gewohnt haben, da ist ein Unternehmen drin“.

Bis zum 31. Juli läuft die Volksbefragung noch. Rund 9400 Einwohner im Kreis Uelzen müssen Auskunft geben, und zwar alle Immobilien- und Wohnungsbesitzer, Bewohner von Gemeinschaftsunterkünften und zehn Prozent der Einwohner, die zufällig ausgewählt werden. Erste Ergebnisse sollen im Herbst 2012 vorliegen.

Von Diane Baatani

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