Die zweifelhafte Zählmethode der Uelzener Stadtverwaltung

Kaum Leerstände?

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Sie ist für viele das Ärgernis in der Uelzener Innenstadt schlechthin: die ehemalige Kaufhalle. Doch in der Statistik der leer stehenden Gewerbeflächen taucht dieses Gebäude nicht auf – schließlich nutze es der Eigentümer als Abschreibungsobjekt, weswegen es nicht zu vermarkten sei, argumentiert die Stadt.

Uelzen. Es braucht nur einen einstündigen Spaziergang durch die Innenstadt, und man stößt zwangsläufig darauf: An die 40 Geschäfte mit leeren oder zugeklebten Schaufenstern begegnen dem Betrachter.

Dabei liegt die von der Wirtschaftsförderung Uelzen aktiv (WiFö) ermittelte Leerstandsquote lediglich bei 4,61 Prozent, wie Stadtsprecherin Ute Krüger jüngst mitteilte. Und diese Quote sei in den vergangenen zwei Jahren – eine detaillierte Erfassung der Leerstände gibt es erst seit 2012 – auch um rund drei Prozent gesunken.

Wie passt das zusammen? Erfasst würden von der WiFö lediglich Flächen in den sogenannten 1a-Lagen: Veerßer Straße, Lüneburger Straße, Fußgängerzone Bahnhofstraße und Gudesstraße. „Dort befinden sich derzeit elf Leerstände“, sagt Ute Krüger.

Für die 1b-Lagen (Schuhstraße, Bahnhofstraße und ähnliche) werden in regelmäßigen Abständen Übersichten erstellt, derzeit ist hier eine neue Erfassung geplant. Und man tut gut daran: Denn gerade an der Achse zwischen der viel beworbenen Touristen-Attraktion Hundertwasser-Bahnhof und der Uelzener Innenstadt stehen diverse Ladenflächen leer. Auch Rademacherstraße und Schmiedestraße bieten diesbezüglich einen traurigen Anblick – dabei sind sie die Zuwegungen zu Uelzens neuem Schmuckstück Schnellenmarkt, das mit viel Geld auf Vordermann gebracht werden soll.
Außerdem ist in der aktuellen Leerstandsquote von 4,61 Prozent die Kaufhalle an der Lüneburger Straße nicht berücksichtigt. Rechnet man dieses Gebäude mit ein, steigt die Quote auf 8,25 Prozent. Berechnet wird sie anhand der leer stehenden Quadratmeter von der WiFö. „Die Wirtschaftsförderung arbeitet mit dieser Differenzierung, weil die ehemalige Kaufhalle eine Sonderstellung im Angebot der Handelsflächen darstellt“, erklärt Ute Krüger auf AZ-Nachfrage. Für den Eigentümer sei das Gebäude über Jahre hinweg ein Abschreibungsobjekt und damit nicht vermittelbar gewesen.

Die leer stehenden Gewerbeflächen würden von der WiFö über das Immobilienportal der Wirtschaftsförderung des Landes Niedersachsen veröffentlicht, erklärt die Stadtsprecherin. Dieses Portal biete auch Schnittstellen zu zwei Immobilien-Portalen im Internet (ImmobilienScout und ImmoNet). Anfragen von Interessenten und Investoren würden innerhalb von zwei Arbeitstagen beantwortet.

Von Ines Bräutigam

Alle Leerstände in der Uelzener Innenstadt

Uelzens Leerstände

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