Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei

Der Castor-Zug passiert am Sonntagnachmittag begleitet von Protesten den Uelzener Bahnhof.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Es ist 15.13 Uhr, als gestern Nachmittag auf dem Uelzener Bahnhofsgelände die Menschen in Trillerpfeifen pusten, Fahnen schwenken und Transparente in die Luft halten. Der Castor-Zug braust auf Gleis 102 in Richtung Norden. Eine volle Colaflasche fliegt auf einen Atommüllbehälter, ein Mann wird abgeführt – dann ist der Spuk nach nur einer Minuten vorbei. Die rund 200 Demonstranten rollen ihre Transparente ein, während die zahlreichen Polizisten zu ihren Einsatzfahrzeugen rennen; sie sollen jetzt die Kräfte im Wendland verstärken.

Seit den Vormittagsstunden hatten viele der Atomkraftgegner im eisigen Wind auf dem Vorplatz des Hundertwasserbahnhofs ausgeharrt, während sich die Ankunft des Atomzuges Stunde um Stunde verzögerte. „Demonstrieren ist eben hart“, sagt eine Mutter, die ihrem zwölfjährigen Sohn im Bahnhofsbistro einen wärmenden Kakao kauft. Seit neun Uhr warteten die beiden auf den Schwerlastzug.

Als dann am Mittag der Zugverkehr zwischen Uelzen und Celle für Stunden eingestellt wird, weil sich Aktivisten bei Eschede an die Bahnschienen gekettet hatten, „überfluten“ tausende gestrandete Reisende das Bahnhofsgelände. Der Schienenersatzverkehr mit Bussen nach Celle läuft nur schleppend an, Hunderte drängen zu den ersten drei Bussen, die schließlich auf dem ZOB eintreffen. Ältere Leute mit Koffern haben keine Chance, einen der begehrten Plätze zu ergattern. Bis zum Nachmittag sind es dann 20 Busse, die die Bahn „zusammentrommeln“ kann.

Währenddessen liefern sich Mitglieder der Uelzener Bürgerinitiative gegen Atomanlagen das angekündigte Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei entlang der Bahnstrecke. Erklärtes Ziel der Protestler ist es, die nach ihrer Einschätzung unverantwortliche Geschwindigkeit des Atomzuges zu drosseln – und das gelingt. Die ersten sechs Aktivisten gelangen zwei Kilometer vor Unterlüß in die Nähe der Gleise. Der Zug hält an und fährt dann in Schrittgeschwindigkeit an den Demonstranten vorbei. Die Schienen betreten die Uelzener nicht – das hatten sie von vorne herein erklärt. In Klein Bünstorf muss der Atomzug dann eine Vollbremsung machen. 20 Demonstranten laufen zu den Schienen, Polizisten können sie nicht aufhalten. Der Zug kommt zu stehen, die Protestler entfernen sich daraufhin wieder. Atomkraftgegner sind an der Bahnstrecke allgegenwärtig. Ob in den Bahnhöfen von Bad Bevensen oder Bienenbüttel, oder auf freier Strecke – überall muss die Polizei kleine Gruppen beaufsichtigen. Und sie sind im Vorteil gegenüber den ortsunkundigen Einsatzkräften.

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