„Es kann schiefgehen“

Thomas Gesk (†) nach seiner Bombenentschärfung am 23. Mai 2007 in Uelzen. Der erfahrene Sprengmeister bezeichnete diese Bombenart als die gefährlichste überhaupt.Archivfoto: Rabsahl

Uelzen/Göttingen - Von Thomas Mitzlaff. „Es kann schief gehen, davor ist man nicht gefeit“, sagt Sprengmeister Thomas Gesk am 23. Mai 2007 im Gespräch mit der AZ. Erschöpft hockte er damals im Gewerbegebiet Neu Ripdorf neben einer amerikanischen Fliegerbombe, die er gerade entschärft hatte. Die Risiken seines Berufes waren ihm immer bewusst: „Bomben mit so einem Zünder haben schon manchem Kollegen das Leben gekostet“, schilderte er damals.

Drei Jahre nach den Bombenentschärfungen von Uelzen ist Thomas Gesk während der Ausübung seines lebensgefährlichen Berufes gestorben – er ist eines der Todesopfer bei der Bombenexplosion auf dem Göttinger Schützenplatz am Dienstagabend.

Drei Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes waren ums Leben gekommen, als eine amerikanische Zehn-Zentner-Fliegerbombe eine Stunde vor der geplanten Entschärfung detonierte. Sechs weitere Experten des Teams waren dabei verletzt worden, zwei von ihnen schwer (AZ berichtete).

„Als sich Thomas Gesk gestern Morgen von seiner Frau und den beiden Kindern im Haus der Familie in Munster verabschiedet, da weiß er, dass ihm einer der gefährlichsten Arbeitstage des Jahres bevorsteht“, schrieb die AZ am 24. Mai 2007 unter der Überschrift „Meine Bombe 567“. So und ähnlich begannen für den erfahrenen Sprengmeister zahlreiche Arbeitstage in den 25 Jahren als Bombenentschärfer. „Doch gerade diese amerikanischen Fliegerbomben sind unberechenbar, da ist die Anspannung doch enorm“, schilderte er damals vor seinem Einsatz in Uelzen. Gleich zwei Mal waren Gesk und sein Team im Jahr 2007 im Gewerbegebiet Neu Ripdorf zu Bombenfunden gerufen worden. Am 8. Februar 2007 mussten sie eine amerikanische Zehn-Zentner-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg sprengen, rund 2000 Anwohner mussten ihre Häuser für drei Stunden verlassen.

Am 23. Mai 2007 räumten Polizei und Feuerwehr erneut Wohnsiedlungen in Uelzen, gleich zwei Sprengmeister waren diesmal im Einsatz, weil der Langzeitzünder der zweiten amerikanischen Fliegerbombe als der gefährlichste überhaupt gilt – es war das gleiche Modell wie jetzt in Göttingen.

Entsprechend gründlich bereiten die Experten eine solche Entschärfung vor: „Wir senkten zunächst den Wasserspiegel ab und hatten dann Zentimeter für Zentimeter Aluminiumringe um die Fundstelle gelegt, um jede Erschütterung zu vermeiden“, hatte Gesk das Vorgehen in Uelzen erklärt. Doch alle Vorsicht nützte am Dienstagabend in Göttingen nichts: Die Bombe explodierte nach ersten Erkenntnissen noch während der Vorbereitung der Sprengung.

Wie viele Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg noch im Uelzener Erdreich liegen, ist unklar. Mit den Worten „wir müssen in Uelzen noch mehrere Verdachtspunkte abarbeiten“, hatte Thomas Gesk sich 2007 verabschiedet.

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