Kommentar zur Schließung des Uelzener Ilmenau-Theaters

Wie kann man so dilettantisch agieren?

Das Theater an der Ilmenau ist derzeit geschlossen.

Es ist ein (vorläufiges) Ende mit Ansage. Wegen der veralteten Bühnentechnik – sie ist so alt wie das Gebäude selbst – muss das Theater an der Ilmenau mitten im laufenden Betrieb geschlossen werden.

Die Stadt erklärt, dass sie von dieser neuen Entwicklung überrascht wurde.

Immerhin habe die Dekra Anfang 2017 noch versichert, dass der Spielbetrieb fortgeführt werden kann, wenn innerhalb von zwei Jahren 49 – teils kostspielige – „Flickmaßnahmen“ umgesetzt werden. 32 davon hat das Gebäudemanagement der Stadt bis heute erledigt, unter anderem eine neue Steuereinheit für 20 000 Euro eingesetzt.

Doch das Damoklesschwert, die Sanierung der fast 50 Jahre alten Veranstaltungstechnik mit geschätzten Kosten in Höhe von vier Millionen Euro, hat schon lange über dem Theater geschwebt. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Niemand kann sagen, dass ihm das nicht bewusst gewesen wäre.

Und der Krug ist zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt zerbrochen: zu Beginn der neuen Saison. Vor Ablauf der Zwei-Jahres-Frist kommt der Gutachter nun zu dem Ergebnis, dass der Spielbetrieb nicht mehr sicher ist. Karten für die anstehenden Veranstaltungen sind bereits verkauft, das Theater ist bis zum Jahr 2020 belegt.

Die Leidtragenden waren am Tag der Schließung 140 Jugendliche verschiedenster Gruppen und der Musikschule, die zeigen wollten, was Uelzen alles kann – und das für einen guten Zweck: Von den Spenden wollten sie Schulsachen für bedürftige Familien kaufen.

Am heutigen Sonnabend wollten 300 Gospelsänger aus ganz Norddeutschland ihr großes Abschlusskonzert im Theater geben. Was für ein Bild wirft es auf Uelzen, wenn diese Sänger zwei Tage vor ihrem Auftritt erfahren, dass sie auf den Theatervorplatz ausweichen müssen, weil die Bühne nicht mehr sicher ist? Welch ein Desaster, welch eine Blamage für diese Stadt, die sich so gerne weltmännisch mit dem Titel „Hansestadt“ schmückt.

Wie kann man so dilettantisch agieren und einen Gutachter von dannen ziehen lassen, ohne zu fragen, was genau an der Anlage nicht mehr sicher ist und wie man das Problem kurzfristig beheben kann, um den Betrieb am Laufen zu halten? Jetzt steht man da, telefoniert hinterher und versucht Lösungen zu finden, doch das Kind ist längst in den Brunnen gefallen.

Aus Verwaltungskreisen ist zu hören, dass eine zeitnahe Wiederaufnahme des Spielbetriebs das Ziel ist und das Theater der Stadt am Herzen liegt. Doch wenn einem etwas am Herzen liegt, dann pflegt man es.

Doch stattdessen hat man Gutachten erstellen lassen und viel geredet, aber entschieden wurde nichts. Man stellt Überlegungen über eine Tiefgarage oder einen Anbau am Theater an, doch kann nicht einmal den laufenden Spielbetrieb gewährleisten.

Zumindest für eine Sache ist dieses ganze Theater gut: Es gibt jetzt keine Ausreden mehr. Uelzens Politik muss in den kommenden Wochen Farbe bekennen. Will sie das Theater erhalten und endlich das dafür benötigte Geld in die Hand nehmen oder eben nicht?

Von Sandra Hackenberg

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