Respekt statt Prügel

Kampfsport-Trainer lehrt in Uelzen Techniken für gewaltfreie Kommunikation

+
Julian Lemke lehrt gewaltfreie Kommunikation, aber auch Selbstverteidigung für Frauen. Der Ex-Soldat einer Spezialeinheit weiß, dass es Situationen gibt, in denen man mit Reden nicht mehr weiterkommt. 

Uelzen – Praktisch jedes Wochenende Schlägereien an der Gudesstraße, und auch am helllichten Tag sind gewalttätige Auseinandersetzungen keine Ausnahme mehr. Der Ton auf Uelzens Straßen ist rau geworden.

Der Kampfsportler Julian Lemke aus dem Wendland hat bei Besuchen in der Hansestadt immer wieder unschöne Erfahrungen gemacht. „Jedes Mal, wenn ich in Uelzen war, bin ich mit anderen aneinandergeraten“, berichtet der 29-Jährige. Als es darum ging, wo Julian Lemke seine Schule für Kampfsport und Selbstverteidigung eröffnet, stand Uelzen als Standort sofort fest, „weil Uelzen so etwas braucht“.

Denn auch, wenn Julian Lemke in seinem „Gladiators Gym“ an der Luisenstraße seit einem Jahr Kampf- und Selbstverteidigungstechniken lehrt – am liebsten wäre es ihm, wenn Menschen im Alltag gar keine Gewalt mehr anwenden müssten. Der ehemalige Soldat einer Spezialeinheit der Fallschirmjäger ist davon überzeugt: „Fast jeder gewalttätige Konflikt hätte im Vorfeld gelöst werden können, wenn die Parteien gewaltfreie Kommunikation angewandt hätten.“

Noch während seiner Zeit beim Militär steckte Julian Lemke in einer persönlichen Sinnkrise, bekam durch Zufall ein Buch über gewaltfreie Kommunikation in die Hände. Es hat laut eigener Aussage sein Leben verändert. „Das war ein absolutes Schlüsselerlebnis in meinem Leben, denn ich habe mich immer gefragt, wie es sein kann, dass Menschen brutale Gewalt gegenüber anderen anwenden und mit anderen dagegen liebevoll umgehen.“

Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation – auch Sprache des Herzens oder Giraffensprache genannt – besagt, dass Konflikte im Prinzip immer wegen dem Gefühl von mangelndem Respekt oder fehlender Wertschätzung entstehen. Sucht jemand Streit, liegt demnach immer ein tiefer sitzendes Bedürfnis zugrunde, das derjenige sich nicht befriedigt fühlt. Selbst in Kriegsgebieten wie Nepal haben entsprechend ausgebildete Trainer es geschafft, dass sich tief verfeindete Lager nach zehn Jahren Bürgerkrieg wieder in die Augen schauen können.

Über Jahre hat sich Julian Lemke zum Trainer für gewaltfreie Kommunikation ausbilden lassen und bringt die Techniken anderen bei: „In den Kursen wird es dann häufig sehr emotional und es fließen Tränen.“ So hätten gestandene Männer schon geweint wie kleine Jungs, wenn sie erkannt haben, woher ein Konflikt eigentlich rührt und sie sich von ihrem Gegenüber verstanden gefühlt haben.

Julian Lemke hat als Türsteher an der Gudesstraße gearbeitet und die Techniken dort angewandt. Nur ein einziges Mal habe er tatsächlich einen Partygänger außer Gefecht setzen müssen. Da sei die Schlägerei aber schon im Gang gewesen: „Es gibt gelegentlich Situationen, in denen man mit Reden nicht mehr weiterkommt.“

Darum bietet er am Sonntag, 28. April, einen kostenlosen Selbstverteidigungskurs für Mädchen und junge Frauen ab 14 Jahren an. „Frauen sind aufgrund ihrer körperlichen Konstitution leichtere Ziele für Angriffe, da von ihnen augenscheinlich weniger Gefahr ausgeht“, weiß Julian Lemke. Er bringt ihnen in seinem Studio einfache, aber wirksame Techniken bei, mit denen sie sich im Ernstfall verteidigen und fliehen können. Anmeldungen werden unter der Telefonnummer (0151) 7 4 34 29 70 entgegen genoimmen.

VON SANDRA HACKENBERG

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare