Psychologinnen des HGZ erklären Stress – und wie man ihn in den Griff bekommt

Kampf mit dem Säbelzahntiger

Carolin Müller, Katja Witthöft und Beate Warntjen (von links) wissen, wie man sich vor Stress schützen kann. Foto: Privat

ib Bad Bevensen. Was ist Stress eigentlich? Wie entsteht er? Und warum ist er gefährlich und wie kriege ich ihn in den Griff? Diesen Fragen gehen die Psychologinnen des Herz- und Gefäßzentrums (HGZ) Bad Bevensen gemeinsam mit ihren Patienten nach.

Eine von ihnen, Carolin Müller, erklärt: „Die Stressreaktion ist ein uraltes Programm unserer Gene – mit dem Ziel der Lebenserhaltung durch einen reflexhaften Angriffs- und Fluchtmechanismus.“ Ihre Kollegin Beate Warntjen ergänzt: „Heutzutage stressen uns zum Beispiel Situationen im Büroalltag. Unser Körper reagiert aber nach wie vor, als müssten wir mit einem Säbelzahntiger kämpfen oder vor ihm flüchten.“ So lösen alle Reize, die der Organismus als bedrohlich einstuft, die körperliche Stressreaktion im Gehirn aus. Als Stressverstärker wirken die eigenen Motive, mit denen man an die Situation herangeht. Sie sind wesentlich mitentscheidend dafür, ob und mit welcher Heftigkeit eine Stressreaktion eintritt.

Das Herz schlägt schneller und kräftiger, wird dadurch leistungsfähiger. Der Blutdruck steigt, in dem die Blutgefäße des Herzens, des Gehirns und der großen Arbeitsmuskeln weiter gestellt werden. Die frei werdenden Energien aber richten sich gegen den eigenen Körper, wissen die Psychologinnen. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen intensivem Stress und Herz-Kreislaufbeschwerden, Muskelverspannungen und Kopfschmerzen. Am HGZ spielt die Stressbewältigung deshalb eine wichtige Rolle. Regelmäßige Arbeitspausen, ein strukturiertes Zeitmanagement und die Delegation von Aufgaben können hilfreich sein. Das Hinterfragen perfektionistischer Leistungsansprüche oder die Bewertung von Schwierigkeiten als Herausforderung statt als Bedrohung reduzieren die Stressverstärker.

Die Bewältigung von Stressreaktionen fördern Entspannungstechniken oder Hobbys, raten die Expertinnen. Durch Sport werden nämlich wie bei Kampf oder Flucht die unter Stress bereit gestellten Energien optimal verbraucht. „Mancher wird sich wundern, wie schnell er nach einem aufreibenden Arbeitstag beim Joggen, Walken oder Tennismatch wieder hellwach und topfit wird“, sagen die Drei. „Und mehr Spaß, als mit einem Säbelzahntiger zu kämpfen, bringt es auch...“

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