Zahl der Ess-Brech-Süchtigen steigt / Netzwerk hilft bei Essstörungen

Der Kampf gegen Bulimie

Der ständige Blick auf die Maße kann zwanghaft werden, so das Uelzener Netzwerk. Foto: dpa

Uelzen. Immer mehr Mädchen und Frauen erkranken an Bulimie. Das berichten die Beteiligten aus dem Netzwerk Essstörungen im Landkreis Uelzen.

Zugleich liege die Sterberate der Bulimiker noch immer bei 20 Prozent, berichtet Christiane Friedrich, Leiterin der Einrichtung „Amidon – Hilfe für Menschen mit Essstörungen“. Wie hoch die Zahl der Betroffenen der Ess-Brech-Sucht tatsächlich ist, sei wegen der vermutlich enormen Dunkelziffer nicht bekannt.

Das Auftreten der sogenannten Anorexie, der Magersucht, sei gleichbleibend hoch. Christiane Friedrich sieht den Grund für die weite Verbreitung im immer stärker über die Medien verbreiteten anormalen Schönheitsbild. Wer starke Probleme habe oder gar unter einem Trauma leide und dann ein Lob fürs Abnehmen erhalte, sei verstärkt anfällig für Essstörungen. Betroffen seien davon nicht nur – meist besonders leistungsorientierte – Jugendliche, sondern auch Erwachsene jenseits der 30. „Es gibt mehr Lebenskrisen“, berichtet die Amidon-Chefin, in denen manche Menschen als Partnerersatz Kontrollzwänge entwickeln würden. „Wer einen Kontrollzwang hat, kann sich daran festhalten.“ Die Arbeit der Mitglieder im Netzwerk Essstörungen bestehe dann darin, eine therapeutische Beziehung zu den Klienten aufzubauen. Sicherheit und ein neues Werteschema müsse in jahrelanger Arbeit entwickelt werden.

62 Plätze gibt es für Jugendliche und zur Wiedereingliederung von Erwachsenen bei Amidon, die Wartezeit liegt für beide Klientengruppen etwa bei einem halben Jahr. Wer jedoch einen Body-Mass-Index unterhalb von 17,5 hat, muss zunächst in einem Krankenhaus behandelt werden, bevor Amidon einer Aufnahme zustimmt, erläutert Christiane Friedrich. In der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung in Bad Bodenteich werden elf Bewohner unter 27 Jahren therapiert, darunter ein männlicher Erkrankter, weiß Diätassistent Tom Franke. In der ebenfalls am Netzwerk Essstörungen beteiligten Klinik Lüneburger Heide in Bad Bevensen werden immer 60 bis 70 Patienten mit Bulimie oder Anorexie behandelt, in der Seepark-Klinik in Bad Bodenteich 70 Personen sowie 40 adipöse Patienten.

„Wir haben Bewohner aus ganz Deutschland“, erklären Christiane Friedrich und Tom Franke. Dieses Netzwerk hingegen unterstütze vor allem die Menschen aus dem Landkreis Uelzen.

Von Diane Baatani

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