Bereits über 100 Bäume wurden im Uelzener Stadtwald gefällt, und es werden jeden Tag mehr

„Der Käfer hat uns überholt“

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Eine gefällte Fichte reiht sich derzeit im Uelzener Stadtwald an den anderen. Sie sind dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen, der in diesem Jahr besonders aggressiv ist. Stadtförster Thomas Göllner zeigt die Rinde mit dem Larvenbefall des Schädlings. 

Uelzen. Besorgt blickt Uelzens Stadtförster hoch zu den mächtigen Fichten. Viele von ihnen sind innerhalb weniger Tage braun geworden, weil sie kein Wasser mehr bekommen. Die Bäume sind fast kahl, ihre grünen Nadeln bedecken den Boden rund um den Stamm. 

„Fichten verlieren ihre Nadeln eigentlich nicht“, erklärt Thomas Göllner.

Im Bereich des Ziegengeheges am Uelzener Wildgatter stehen alleine rund 20 Fichten, die gefällt werden müssen. „Gestern waren es noch sechs Bäume, die betroffen waren“, berichtet Göllner. Dem Stadtforst Uelzen bleibt derzeit nichts anderes übrig, als die befallenen Bäume zu fällen – bereits über 100 in den letzten drei Wochen. „Das sind über 500 Festmeter Schadholz. „Und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange“, befürchtet der Stadtförster.

Der Buchdrucker bohrt sich durch die Rinde der von Stürmen und der anhaltender Dürre ohnehin geschwächten Fichten – dort, zwischen Rinde und Holz, verlaufen die Leitungen, über die der Baum mit Wasser versorgt wird. „Die Larven fressen sich quer und kappen dabei die Leitungen, über die der Baum mit Wasser und Nährstoffen versorgt wird“, sagt Göllner.

Im oberen Bereich der Rinde sind die Larvengänge der Kupferstecher zu erkennen, im unteren die der Buchdrucker.

Eigentlich kann der Baum eine gewisse Anzahl an Käfern abwehren, indem er sie mit seinem Harz wieder „raus schmeißt“. Doch die Fichten sind laut Göllner zu geschwächt. Und die Borkenkäfer seien einfach zu viele, denn im Gegensatz zu den Bäumen hat ihnen die Dürre gutgetan. Außerdem kommt der Buchdrucker nicht allein, denn die Fichten sind auch vom Kupferstecher, einer weiteren Borkenkäferart, befallen. Dessen Larvengänge erinnern an einen Kupferstich.

Das, was die Borkenkäfer derzeit im Uelzener Stadtwald anrichten, tun sie auch andernorts. „Eigentlich sind bundesweit die Fichten betroffen“, berichtet Armin Menge vom Forstamt Uelzen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. „Wir haben hier noch Glück, weil wir nicht so viele Fichten haben.“ Anders sehe es in Südniedersachsen, etwa im Harz, aus.

Ein Phänomen sei in diesem Jahr bemerkenswert: „Wenn die Fichten einmal befallen wird, dauert es normalerweise mehrere Wochen, bis sie absterben. Das passiert in diesem Jahr in wenigen Tagen.“ Das kann auch Uelzens Stadtförster bestätigen: „Wir haben angefangen, die betroffenen Bäume zu fällen, doch es wurden jeden Tag mehr und wir kommen gar nicht mehr hinterher. Der Käfer hat uns überholt.“

Denn wichtig sei es, das Holz schnell aus dem Wald zu bekommen, damit die jetzige Brut nicht überwintert. Das Holz der Fichten sei in Ordnung, man könnte es durchaus verkaufen. „Das Problem ist, dass derzeit ja überall Fichten gefällt werden und der Markt durch das Sturmholz bereits gesättigt ist.“

Von Sandra Hackenberg

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