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Junge Christdemokraten aus Uelzen: National-Elf soll WM boykottieren

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Von: Norman Reuter

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Vor der Fußball-WM in Katar - DFB-WM-Quartier
Die WM in Katar startet heute. © dpa

Der Ruf junger Christdemokraten aus Stadt und Landkreis Uelzen, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft möge die WM in Katar boykottieren, ist auf Landesebene auf Zustimmung gestoßen. Beim sogenannten Niedersachsen-Tag der Jungen Union (JU) in Hannover, sprach sich eine Mehrheit der Delegierten ebenfalls für einen Boykott aus.

Uelzen – Ein dazu aus Uelzen gestellter Antrag habe eine Mehrheit gefunden, bestätigt JU-Landespressesprecher Julius Nießen gegenüber der AZ. Jon Matz, Vorsitzender des Uelzener JU-Kreisverbandes, hatte den Ruf nach einem Boykott mit den Berichten über die Menschenrechtsverletzungen in Katar begründet. Die Fußball-Weltmeisterschaft widerspreche fundamental den westlichen Wertvorstellungen, heißt es unter anderem im Antrag, der in Hannover gebilligt wurde. Der AZ sagte Matz: „Die National-Elf ist schnell dabei, eine Regenbogen-Binde anzulegen. Aber wenn es darum geht, auf Geld zu verzichten, sieht das anders aus“.

Bereits am heutigen Sonntag startet die Weltmeisterschaft. Die Deutsche National-Elf hat am Donnerstag ihr Quartier in Katar bezogen. Am Mittwoch steht dann das erste Vorrundenspiel gegen Japan an. Anpfiff wird um 14 Uhr sein.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), mit dem Abstimmungsergebnis aus Hannover konfrontiert, verweist auf ein Positionspapier zur Weltmeisterschaft. Demnach betrachtet er die Vergabe der WM an Katar als „eine in vielerlei Hinsicht sehr problematische Entscheidung“, die „nicht uneingeschränkt im Sinne des Sports, der Sportler und Fans getroffen wurde“.

Auch zu Rufen nach einem Boykott äußert sich der DFB in dem Papier: Ein sportlicher Boykott ist aus seiner Sicht keine Option. Sport könne Brücken bauen und Veränderung bewirken.

„Verständigung, Austausch und Zusammenarbeit im und durch Sport sind fundamental, um über politische, religiöse und kulturelle Grenzen hinweg Grundlagen für Verbesserung zu schaffen“, so der DFB. Hierbei habe auch der ständige Austausch mit Nicht-Regierungsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch eine Rolle gespielt. Diese hätten den DFB bestärkt, an der WM teilzunehmen, um so für Aufmerksamkeit für die Verhältnisse im Wüstenemirat zu sorgen. „Der DFB möchte die progressiven Kräfte, die sich für die Öffnung und Liberalisierung einsetzen, stärken und unterstützen.“

Jon Matz war sich bewusst, dass der Boykott-Ruf den DFB nicht noch einmal umzustimmen würde, verwies aber vor allem auf den symbolischen Charakter des Antrages. JU-Landes-Pressesprecher Nießen sagt, er sei als Zeichen der Ablehnung gegenüber dem Schweigen der FIFA und vor allem gegenüber dem Vorgehen und Verhalten Katars zu werten.

Beim jetzt an diesem Wochenende geplanten Deutschlandtag der Jungen Union wird der Uelzener Antrag keine Rolle spielen, weil die Antragsfrist für die Beratungen bereits abgelaufen ist.

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