39 Jahre Arbeit mit „Hallodris“

Jugendhilfe Uelzen: Dieter Kratzert geht als Geschäftsführer in Ruhestand

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Vergangene Woche zog Dieter Kratzert mit seinem Team der Jugendhilfe von der Ripdorfer Straße an die Dieterichstraße 33 in Uelzen um.

Uelzen – Seit 39 Jahren arbeitet Dieter Kratzert für die Jugendhilfe Uelzen und kann entsprechend viele Geschichten erzählen.

„In einer früheren Ebstorfer Gruppe waren die letzten Hallodris dabei. Einige melden sich immer mal wieder, haben sich teilweise selbstständig gemacht. Solche Rückmeldungen bauen einen natürlich auf“, sagt der 65-Jährige.

Morgen wird der Geschäftsführer der Jugendhilfe nun in den Ruhestand verabschiedet. Kratzert: „Ich gehe ruhigen Gewissens, da alle Stellen besetzt sind und das Haus sozusagen bestellt ist. Ich habe rückblickend nichts verkehrt gemacht.“

Nach anfänglicher Tätigkeit als Honorarkraft wurde Kratzert am 1. Februar 1982 fest angestellt bei der Jugendhilfe. „Alle vier hauptamtlich Tätigen aus den 1980er Jahren sind hier auch in den Ruhestand gegangen. Ich bin jetzt der Letzte“, sagt der Geschäftsführer. Sein Nachfolger Benjamin Schramm übernimmt die Tätigkeit am 1. Dezember. Er arbeitet bereits seit zweieinhalb Jahren im Team der vier Festangestellten als Sozialarbeiter der Jugendhilfe.

40 bis 50 Jugendliche betreut der Verein im Jahr, die meisten davon waren zuvor mehrmals straffällig geworden. Laut Kratzert waren in den vergangenen 39 Jahren davon nur rund fünf Prozent weiblich. Die Jugendlichen nehmen an Angeboten einer Werkstatt-, einer Sport- oder einer Motorrad-Trialgruppe teil.

Die Jugendhilfe begleitet die Heranwachsenden auch bei Terminen in der Schule, bei der Wohnungssuche und beim Ausfüllen von Anträgen. „Es ist heute deutlich schwieriger, Jugendliche für handwerkliche Arbeiten zu begeistern. Ihnen fehlt oft die Konzentration – sie sind sehr fixiert auf ihr Handy“, sagt der Geschäftsführer. Alkohol-, Drogen- und psychosoziale Probleme (Depression/Suizidgefahr) hätten im Laufe der Jahre bei den Jugendlichen zugenommen, um die sich die Jugendhilfe kümmert. Der berühmte „lange Atem“, den der frühere Uelzener Jugendrichter Peter Brandler geprägt habe, war auch für Kratzert in seiner Arbeit stets ein gutes Motto gewesen, was sich ausgezahlt habe.

Von Sonnabend an beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt bei Dieter Kratzert. Er freue sich darauf, künftig mehr Zeit für seine Frau, seine Tochter, seine Enkeltochter und seinen großen Garten in Suderburg zu haben. „Ich werde sicher reisen und mich wieder um Hobbys wie Möbelrestaurationen und Paddeln kümmern, für die ich zuletzt keine Zeit mehr hatte“, blickt Kratzert voraus auf seinen Ruhestand.

VON TIMO HÖLSCHER

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