Erste Idee für sinnvolle Nachnutzung

Jugenddorf Molzen bald Geschichte: Das wünschen sich Trägerverein und Ortsrat

Ein Holzhaus im Lutherischen Jugenddorf Molzen.
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Das idyllisch gelegene Gelände des Lutherischen Jugenddorfes Molzen soll nach dem Wunsch des Trägervereins, der sich auflösen will, und des Ortsrates perspektivisch als Waldkindergarten genutzt werden.
  • Lars Becker
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Nach fast 50 Jahren gehen im Lutherischen Jugenddorf Molzen die Lichter aus, denn der Trägerverein will sich Mitte Mai auflösen. Es gibt aber bereits eine Idee, wie das Gelände genutzt werden könnte.

Uelzen-Molzen – Das 1974 eröffnete Lutherische Jugenddorf Molzen schließt aller Voraussicht nach für immer seine Pforten: Der 1971 gegründete Trägerverein soll sich einem Antrag des Vorstandes entsprechend in einer außerordentlichen Vollversammlung am 16. Mai in der Kreuzkirche in Hermannsburg auflösen. Das 1,5 Hektar große, idyllisch im Wald hinter dem Sportplatz gelegene Vereinsgelände soll samt der sechs Holzhütten, des Gruppenleiter-, Dusch- und Haupthauses veräußert werden.

„Objekt hervorragend geeignet“

Zur Nachnutzung gibt es schon einen konkreten Vorschlag: Der Ortsrat Molzen/Masendorf/Riestedt hat sich – Bezug nehmend auf eine Idee des Trägervereins – dafür ausgesprochen, dass die Hansestadt Uelzen das Gelände erwirbt und dort einen Waldkindergarten einrichtet. Der Antrag dazu ist mit den Unterschriften aller Ortsratsmitglieder an Bürgermeister Jürgen Markwardt gegangen.

„Wir halten das Objekt für hervorragend geeignet, um hier einen Waldkindergarten einzurichten“, heißt es in dem Antrag, der der AZ vorliegt. Ortsbürgermeister Henning Gröfke (CDU) ergänzt im AZ-Gespräch: „Molzen hat keinen Kindergarten, die Kinder werden nach Oetzen gefahren. Perspektivisch brauchen wir in der Stadt weitere Kindergartenplätze. Ich habe die Idee allen Ortsratsmitgliedern vorgestellt – und alle haben das unterstützt.“

Emotional schwierige Entscheidung

Elisabeth Bauck ist die 2. Vorsitzende des Vereins Lutherisches Jugenddorf Uelzen-Molzen. „Uns ist wichtig, dass das Jugenddorf in gute Hände kommt und weitergeführt wird“, so die 66-Jährige, die seit 1982 Mitglied im Verein und seit 23 Jahren im Vorstand tätig ist. Ihre drei Kinder haben wie sie viel Zeit im Jugenddorf verbracht. „Für sie ist es fast ein zweites Zuhause gewesen, meine Söhne haben selbst Jugendfreizeiten als Teamleiter begleitet“, macht Bauck keinen Hehl daraus, dass es für alle emotional schwierig gewesen sei, die Auflösung des Vereines zu beantragen.

Das Straßenschild weist in Molzen den Weg zum Lutherischen Jugenddorf, das verkauft und einer sinnvollen Weiternutzung zugeführt werden soll.

„Seit über einem Jahr haben wir coronabedingt geschlossen und keine Einnahmen mehr. Wir haben einmal eine staatliche Beihilfe bekommen, die uns 2020 gerettet hat. Wir sind jetzt nicht zahlungsunfähig, wollen aber lieber vorher die Reißleine ziehen. Das haben wir den Mitgliedern letztes Jahr aber auch schon angekündigt. Ein 85-jähriges Gründungsmitglied hat gesagt, dass es eine schöne Zeit war, dass sich die Zeiten aber geändert haben. Das haben wir als Plädoyer verstanden zu erkennen, dass die Zeit reif ist.“

Vor drei Jahren habe man noch rund 2000 Übernachtungen gezählt, dann nur noch etwas mehr als 800. „Schulen machen nicht mehr so viele Fahrten, die Ansprüche bei Kindern und vor allem auch bei deren Eltern sind wahnsinnig hoch. Eine komplette Bespaßung können wir nicht bieten, wir möchten, dass die Kinder viel selbst machen“, so Bauck. Die sechs Häuser mit je sechs Betten seien zwar rustikal, aber beheizt und ganzjährig nutzbar. Man habe ein Duschhaus gebaut, WLAN installiert. „Aber es gibt keinen Laden in Molzen, alles ist mit etwas Weg verbunden. Und der Handyempfang ist schlecht“, so Elisabeth Bauck zu möglichen Gründen, die das Jugenddorf unattraktiv gemacht haben könnten.

Kein „Nachwuchs“ fürs Ehrenamt

Der Verein wird seit jeher ehrenamtlich geführt, angestellt war nur die Hauswirtschafterin, die Schüler- oder Konfirmandengruppen versorgt hat. Von einst 200 Mitgliedern seien 92 geblieben, die überwiegend 60 Jahre und älter seien. „Das Herz sagt, dass das Ende traurig ist. Aber wir finden auch keine neuen Leute für die Arbeit im Vorstand“, so Bauck. Sie wird – wenn am 16. Mai alles kommt wie geplant – zusammen mit der Vorsitzenden Gudrun Meyer die Liquidation des Vereins erledigen. Und hoffentlich einen Käufer finden, der das Areal im gewachsenen Sinne weiternutzen wird. Der Ball liegt jetzt erst einmal im Rathaus Uelzen.

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