Schüler in Uelzen geben bereits vor dem Urnengang am Sonntag ihre Stimme ab

Die Jugend hat die Wahl

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Unter den wachsamen Blicken der Wahlhelfer Nils Ole Berger (links), Julia Meyer und Florian Fellner gibt der 16 Jahre alte Marcel Kipp seine Stimme für die Junior-Wahl an der BBS I ab.

Uelzen/Landkreis. Viele Schüler im Landkreis Uelzen sind noch nicht volljährig und dürfen daher am Sonntag bei der Bundestagswahl noch kein Kreuz setzen. Doch in dieser Woche zählt ihre Stimme trotzdem: An vielen Schulen im Landkreis finden derzeit die Junior-Wahlen statt.

„Man hört, wie sich die Schüler auf dem Gang über Politik unterhalten“, berichtet Gabriele Diedrich, Leiterin des Herzog-Ernst Gymnasiums. Dort hat die Junior-Wahl Tradition. „Oft heißt es, junge Leute haben kein Interesse an Politik. Das stimmt nicht.“

Und auch an der Berufsbildenden Schule I zeigt sich: Die jungen Leute sind nicht nur politisch interessiert, sondern wollen auch Verantwortung übernehmen und über die Zukunft ihres Landes mitentscheiden. „Seine Stimme abzugeben, ist wichtig.“ Das ist Nils Ole Berger klar, obwohl er erst 16 ist. „Wenn man nicht wählen geht, bekommen praktisch alle Parteien die Stimme – auch die Falschen. Er ist einer von 25 Schülern des Beruflichen Gymnasiums Wirtschaft an der BBS I, die für den korrekten Ablauf der Juniorwahlen zuständig sind. Und die jungen Leute nehmen ihre Aufgabe ernst. Jeder einzelne der rund 2000 „wahlberechtigten“ BBS I-Schüler muss seine Wahlberechtigungskarte oder mindestens seinen Personalausweis vorzeigen. „Wir passen auch auf, dass niemand seinen Wahlzettel fotografiert oder Selfies an der Wahlurne macht“, erklärt Julia Meyer (24).

Apropos Wahlzettel: Er ist etwas kleiner, sieht aber genauso aus wie die Exemplare, auf denen die Erwachsenen ihr Kreuz machen. Die Materialen werden den Schulen von der Bundeszentrale für politische Bildung zur Verfügung gestellt. „Die Schüler sollen verstehen, dass die Wahl ein ernster bürokratischer Akt ist“, erklärt der Lehrer Birger Schröder-Eschbach, der an der BBS I für den Fachbereich Politik zuständig ist und die Juniorwahl schon viele Male betreut hat. Und die meisten Schüler würden das auch tun: „Es gibt wie bei der richtigen Wahl immer ein paar ungültige Stimmzettel, aber das sind sehr wenige.“ Und die stellvertretende Schulleiterin Marlene Oberschmidt glaubt: „Die Juniorwahl ist eine gute Möglichkeit für die Schüler, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“

„Wahlhelferin“ Julia Meyer ist 24 und somit eine der Schüler, die auch am Sonntag ihre Stimme abgeben dürfen. „Wer nicht wählen geht, darf später auch nicht meckern“, findet sie. Julia Meyer findet es schade, dass nicht schon ab 16 gewählt werden darf: „Wir machen den Führerschein mit 17, haben ab 16 einen Personalausweis und eine Ausbildung – wieso sollten wir nicht mitentscheiden dürfen?“

Ihr 16 Jahre alter Klassenkamerad Marcel Kipp fordert: „Klar sind auch die Rentner wichtig. Aber die Politik muss mehr Vertrauen in die Jugend haben und auf sie eingehen.“

Auch Florian Fellner (16) wüsste genau, wie er abstimmen würde: „Ich würde die Partei wählen, die sich dafür einsetzt, dass die Dörfer nicht aussterben, sondern zukunftsfähig bleiben – zum Beispiel mit dem Internetausbau.“

Bis heute Mittag haben die Schüler noch die Qual der Wahl. Dann zählen die jungen Helfer die Stimmen aus – und geben das Ergebnis als Tortendiagramm bekannt.

Von Sandra Hackenberg

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