Pointen im Sekundentakt

Johann König bringt Uelzen zum Lachen

Die lakonische Art zu erzählen und der näselnde Ausdruck sind seine Markenzeichen: Johann König.
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Die lakonische Art zu erzählen und der näselnde Ausdruck sind seine Markenzeichen: Johann König. 

Uelzen – Selten so gelacht. Die Zuschauer in der ausverkauften Jabelmannhalle biegen sich auf ihren Stühlen. Und das praktisch von der ersten Minute an. Der Komiker Johann König ist mit seinem Programm „Jubel, Trubel, Heiserkeit“ für zwei Stunden zu Gast.

Und er feuert manchmal Pointen im Sekundentakt ab. Über Uelzen, seinen Nachbarn, den Umweltschutz, über Familie und natürlich Kinder.

Königs lakonische Art zu erzählen und sein näselnder Ausdruck sind seine Markenzeichen. Das macht den 47-jährigen, TV-bekannten Kölner unverwechselbar. „Wichtig ist, dass ihr gern hier seid. Ich will dann wieder weg“, sagt er über Uelzen. „Montag seid ihr dann ja wieder im Büro – oder auf dem Feld. Oder was man hier so macht.“ Seit 2018 ist König mit seinem Programm unterwegs. Und lässt nicht locker.

Seinen Nachbarn hat er im Blick. Der hat ein modisches Boxspringbett („Riesige Kisten. Da kann man Leichen drin verstecken.“) und einen SUV. Und der sei im Grunde ein Boxspringbett auf Rädern. König hebt das rechte Bein: „Bequemer Einstieg“ – gemeint sind Bett und Auto.

Und dann ist der dreifache Vater in der ersten und zweiten Hälfte bei einem Lieblingsthema: Kinder. König konstatiert: „Heute wird mit Kindern ja schonender umgegangen. Ich habe noch zweimal in der Woche den Satz gehört: ,Wenn du zum Kiosk gehst, bring Zigaretten mit.‘ “ Vorbei die Zeit. „Die seelische Muskulatur von Kindern wird heutzutage immer weniger beansprucht“, hat König irgendwo gelesen. Und dass der Kaiserschnitt bei der Geburt jedes dritten Kindes angewandt werde. Am Schlimmsten, stellt er fest, seien deswegen „Kaiserschnitt-Einzelkinder“, um dann unverwandt auf sich selbst zu sprechen zu kommen: „Ich mache seit einem Jahr Yoga. Das tut mir sehr gut. Es fördert meine innere Gleichgültigkeit.“

Aber zurück zu den Sprösslingen. „Ich habe drei Kinder zuhause. Wohnen ja, Miete nein. Es ist wirklich schlimm mit den drei Kindern. Rückblickend war es die falsche Entscheidung – dreimal.“ Der Planet ächze und stöhne. „Und wir haben ihm drei weitere Bazillen aufs Auge gedrückt.“ Oder, weiter hinten im Programm: „Die sind in den letzten zehn Jahren eingezogen. Unser Ziel ist es jetzt, dass sie in den nächsten zehn Jahren wieder ausziehen.“

Was Wunder, dass er und seine Frau über eine Trennung nachdächten. Sie gehe schon seit einigen Monaten allein zu einer Paartherapie. Und jetzt, wo die Trennung beschlossen sei, habe er einen Plan: „Die Kinder gehen zur einen Hälfte zu ihrer Mutter. Und zur anderen Hälfte zu meiner Mutter.“

So ist also bei Königs zuhause alles angerichtet. Und als habe er sein komisches Talent noch nicht ausgeschöpft, trägt er im Hula-Hoop aus Gedichten und Tagebuch vor. Und er singt ein Lied auf die Streiche in Kindertagen. Mit einer unendlich komischen, am Ende harmonischen Geschichte über einen Obdachlosen, einen Afrikaner und sich selbst schließt er seine Zugabe ab. Ein toller Abend.

VON CHRISTIAN HOLZGREVE

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