Jetzt haben die Bürger das Wort

Die Bahnstrecke am Veerßer Ortsrand – direkt neben den Häusern des Seifriedrings – ist stark befahren. Nun soll dort für den Zugverkehr aus Stendal ein zweites Gleis zum Uelzener Bahnhof gebaut werden. Die Anwohner sehen dem mit Sorge entgegen.

Uelzen - Von Bernd Schossadowski. Sie wird „Veerßer Bogen“ oder „Veerßer Kurve“ genannt. Ihr Ausbau ist ein Millionenprojekt der Deutschen Bahn – und zugleich bei vielen Anwohnern heftig umstritten. Denn diese befürchten eine höhere Lärmbelastung. Die Rede ist vom geplanten Bau eines zweiten Gleises für die Bahnstrecke Stendal-Uelzen im Bereich zwischen Veerßen und dem Hundertwasser-Bahnhof.

Jetzt liegen die Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren im Bürgeramt des Uelzener Rathauses aus. Noch bis Donnerstag, 14. Oktober, können Interessierte sie dort einsehen. Zudem kann jeder Bürger, dessen Belange durch die Planung berührt werden, bis zum 28. Oktober dazu mündlich oder schriftlich Einwendungen erheben.

Der zweigleisige Ausbau der Strecke soll nordöstlich des Heuerhofes – am Ortsrand von Veerßen – beginnen. Von dort wird die neue Trasse in Richtung Bahnhof schwenken. Dabei soll sie in etwa hundert Metern Entfernung von der jetzigen Brücke unter der Bundesstraße 71 hindurchführen. An dieser Stelle baut die Bahn einen neuen Durchlass.

Im Bereich des Veerßer Friedhofes wird das neue Gleis schließlich parallel zur Bahnstrecke Hannover-Hamburg verlaufen. Das Kreuzen dieser stark befahrenen Nord-Süd-Achse kurz vor der Einfahrt in den Hundertwasser-Bahnhof wäre damit – zumindest für den Verkehr auf dem geplanten zweiten Gleis – nicht mehr notwendig.

Das Projekt bekomme angesichts des zunehmenden Seehafen-Hinterlandverkehrs besondere Bedeutung, erläutert Uelzens Baudezernent Karsten Scheele-Krogull und nennt konkrete Zahlen: Einer Studie der Bahn zufolge fahren auf der Strecke Stendal-Uelzen in beiden Richtungen derzeit 70 Züge pro Tag, davon 32 im Güterverkehr. In fünf Jahren sollen es schon 199 Züge täglich sein, davon 143 Güterzüge.

Das bereitet vielen Uelzenern und Veerßern große Sorgen. „Die Emissionen durch den Güterverkehr sehe ich als ziemlich problematisch für die Anlieger der Bahnlinie an“, kann Scheele-Krogull die Bedenken nachvollziehen. Und er kündigt an, dass auch die Stadt zu den Planungsunterlagen der Bahn Stellung nehmen wird. Kritikpunkt ist die vorgesehene Länge der Lärmschutzwand entlang der Trasse. Diese soll am Hundertwasser-Bahnhof beginnen, aber nicht bis zum Ende der Wohnbebauung am Bahnübergang auf der Celler Straße in Veerßen verlaufen. Stattdessen ist der Abschluss bereits einige hundert Meter davor – etwa auf Höhe der Häuser in der Mitte des Seifriedrings – vorgesehen.

Aus Sicht der Stadt reicht das nicht aus. „Wir fordern, dass der Lärmschutz mindestens bis zum Bahnübergang geführt wird, wenn möglich auch darüber hinaus“, so Scheele-Krogull. „Die Bahn hat dafür Sorge zu tragen, dass der Verkehr nicht zu unangemessenen Beeinträchtigungen der Anlieger führt.“ Den ebenfalls umstrittenen Einbau einer Weiche neben dem Seifriedring könne die Stadt allerdings nicht verhindern. Für diesen gebe es – im Gegensatz zum neuen Gleis – bereits einen Planfeststellungsbeschluss.

Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis verteidigt unterdessen das geplante Ende der Schutzwand. „Die Grenzwerte der Lärm-Emissionen werden im Bereich der dortigen Wohnbebauung nicht überschritten. Das hat das schalltechnische Gutachten eines von uns beauftragten Ingenieurbüros ergeben“, sagt Meyer-Lovis. Er geht davon aus, dass der Bau des Gleises Anfang 2011 beginnen könnte. Voraussichtlich Ende 2013 würden dann die ersten Züge über die neue „Veerßer Kurve“ fahren.

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