Kantinen in Stadt und Landkreis Uelzen bieten fleischlose Kost parallel an

Jeder Tag ist Vegetarier-Tag

Bei Hedwig Herbert in der Kantine der Bohlsener Mühle war gestern Fleischtag – es gab Bratwurstschnecke. Fotos: Jansen

Uelzen. Der vegetarische Mittagstisch hat in den Uelzener Kantinen längst Einzug gehalten, wie Renate Künast ihn fordert. Mit dem Begriff „Veggie Day“ hat die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion einen grundsätzlichen Vegetarier-Tag für Kantinen angeregt.

Im Landkreis Uelzen gibt es meistens schon eine fleischlose Variante.

Rund 400 Mitarbeiter der Firma Uelzena finden in ihrer Kantine täglich zwei Stammgerichte – „eines mit und eines ohne Fleisch“, berichtet Produktmanagerin und Ernährungswissenschaftlerin Simone Oeder. Hinzu kommt ein obligatorischer Salat, den sie wahlweise auch mit einem Stück Fleisch zu sich nehme, sagt sie. In der vierten Kategorie bietet die von der Firma Bardowicks belieferte Küche der Uelzena-Kantine täglich eine Suppe oder einen Eintopf an. „Mein Lieblingsgericht bei der vegetarischen Auswahl ist die ,Penne rustica’ mit Mozzarella, Tomaten und Rucola“, sagt Simone Oeder.

Sven Heiden, stellvertretender Küchenchef in der Nordzucker-Kantine, hat gleich zwei vegetarische Gerichte im Angebot.

„Vegetarische Gerichte sind heute wesentlich appetitlicher und vielseitiger als vor 30 Jahren“, weiß auch Hedwig Herbert aus langjähriger Erfahrung. Die ausgewogenen Gerichte verlangen mehr Kreativität, Wissen über Ernährung und Können bei der Zubereitung, bestätigt die Küchen-Chefin der Kantine in der Bohlsener Mühle. „Da ist schon das Kochen ein Genuss.“ In ihrer Kantine ist jeden Tag „Veggie-Day“, aber zweimal die Woche „Fleischtag“. Gestern gab es eine Bratwurst-Schnecke mit Möhrengemüse auf Kartoffelbrei. 40 Mitarbeiter essen täglich in der Bohlsener Kantine, und Besucher sind willkommen. Den geforderten Vegetariertag in deutschen Kantinen begrüßt Hedwig Herbert, weil damit Kantinenbetreibern wie Besuchern der Fleischverzehr bewusst gemacht wird. „Wenn Fleisch, dann will ich wissen, wo es herkommt“, heißt die Devise in der Bohlsener Kantine, während sich der nächste Besucher ein wenig Senf neben die Bratwurst-Schnecke löffelt. Je deutlicher Verbrauchern ihr Fleischverzehr bewusst gemacht werde, desto weniger sei der Mensch bei seiner Versorgung auf Massentierhaltung angewiesen. In der privaten Küche spare die Hausfrau mit vegetarischer Kost sogar Zeit und Geld, so Herbert.

Doch in vielen Köpfen sei noch verankert, dass Fleisch der bessere Energie-Lieferant und eine betont körperliche Tätigkeit mit Fleisch besser zu bewerkstelligen sei. Im Betriebsrestaurant „Zuckerrübe“ des Nordzucker-Werks sitzen drei Männer im Blaumann: „Ich könnte heute Nachmittag nichts mehr stemmen, wenn ich mittags kein Fleisch auf den Teller kriege“, sagt ein Fachschweißer. An der Essensausgabe stehen derweil die Mitarbeiter für die vegetarische Kost Schlange. „Gleich zwei vegetarische Gerichte: Nudelauflauf mit Gemüse und Champignons im Teig mit frischem Salat“, bietet Sven Heiden, der stellvertretende Küchenchef des Betreibers, an. Daneben stehen täglich Fleischgerichte auf der Karte des Betriebs, der in Uelzen zwei Schulen und zwölf Kindertagesstätten beliefert. „Die Zeiten, in denen es jeden Tag Fleisch geben muss, sind lange vorbei“, sagt er. Anregungen der Kantinen-Gäste hätten die Entwicklung zum täglichen vegetarischen Angebot gefördert.

Von Angelika Jansen

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